Berlinale: Coriolanus

Heute Abend werden die Preise der Internationalen Jury in der Sektion „Wettbewerb“ verliehen, das heißt der Goldene Bär für den besten Film und Silberne Bären für die beste Regie, Darsteller/in, Drehbuch und eine herausragende künstlerische Leistung (Kategorien: Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design). Wenn „Coriolanus“ dabei nicht mindestens einen der Preise gewinnt, werde ich mich fragen, wo die Jury ihre Augen hatte. Ich habe zwar nicht alle Wettbewerbsfilme, die um einen Bären konkurrieren ( „Pina“, „The Future“ und „True Grit“ liefen z.B. außer Konkurrenz) gesehen, aber aus allen, die ich gesehen habe, stach besonders „Coriolanus“ – unter der Regie von Ralph Fiennes – hervor. Nicht nur was die unglaubliche, schauspielerische Leistung betraf, sondern auch die Umsetzung des Shakespearschen Stoffes und seine Einbettung in die Moderne.

Fiennes‘ „Coriolanus“ spielt in einer Stadt, „die sich selber Rom nennt“, also überall sein könnte. Es herrscht Kriegszustand, die Bürger begehren  gegen die Regierenden auf, da diese das Volk hungern lassen. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, die die Stadt in Schutt und Asche legen. Besonders die Gruppe der Volsker, angeführt von Tullus Aufidius (Gerard Butler), wollen Rom für sich erobern. Ihr größter Feind ist der hochmütige, römische Feldherr Caius Martius (Ralph Fiennes), der nach einer Schlacht um die Eroberung der Stadt Corioles gegen die Volsker den Beinamen „Coriolanus“ trägt. Von seiner machtverwöhnten Mutter Volumnia (Vanessa Redgrave) wird er in die Politik gedrängt. Doch seine Überheblichkeit gegenüber den Bürgern schürt deren Hass auf ihn und schließlich wird er durch eine List der Senatsangehörigen Brutus und Sicinius aus Rom verbannt. Coriolanus schwört auf Rache und schließt sich in seiner blinden Wut seinem Erzfeind Aufidius an.

Gerard Butler und Ralph Fiennes in "Coriolanus" © Berlinale

Fiennes sagte auf der Pressekonferenz zu „Coriolanus“, dass er eine Obsession für das Stück entwickelte, nachdem er bereits 2000 die Rolle des Coriolanus im Londoner Theater spielte. Diese Obsession hat er mit in seinen Film getragen, denn so intensiv, wie er den Coriolanus spielt, hat man das Gefühl, er würde einen direkt ansprechen. Seine Augen glühen und sein Körper bebt bei jedem noch so banalen und kurzen Satz und auch wenn man all die Shakespearschen Worte – an Originaldialogen wurde nichts geändert oder in die moderne englische Sprache übertragen – nicht sofort erfasst, so muss man nur die Augen auf Fiennes‘ Spiel gerichtet lassen und man versteht. Nicht weniger überragend ist Vanessa Redgrave als Coriolanus‘ Mutter, die ihren Stolz und ihre Würde immer zwei Meter vor sich herträgt. Redgrave ist eine britische Theaterinstitution und wenn sie auf der Leinwand erscheint, dann ist der Saal ruhig. „Wir fragten sie, wie sie das macht, aber sie selber weiß wahrscheinlich nicht mal, woher das kommt“, schwärmte Gerard Butler auf der Pressekonferenz über die 74-jährige. Am überraschendsten für viele war sicherlich Butlers Schauspielleistung, der gefragt wurde, ob es nicht schwierig für ihn gewesen sei, eine solche anspruchsvolle Rolle zu spielen, da er ja eher als Actiondarsteller bekannt ist. Butler antwortete souverän und mit ironischer Spitze auf diese Frage: „Something intellectual is always challenging for me.“

„Wenn Shakespeare heute leben würde, würde er perfekt fürs Kino schreiben“, sagte Fiennes und betrachtet man das moderne Setting des Films – die moderne Kleidung der Darsteller, eine zerstörte Stadt, wie man sie heutzutage überall auf der Welt finden könnte, moderne Waffen, wie sie in jedem Krieg verwendet werden, Nachrichten, die aus dem Fernseher tönen –, dann ist es nicht nur die Struktur und der Aufbau des Shakespearschen Stückes, sondern auch die alte englische Sprache, die mit den modernen Kriegsbildern eine grausame Symbiose eingehen.

Fiennes hat mit seinem Regiedebut nicht nur einen beeindruckendes Schauspielerensemble vor der Bühne versammelt, sondern auch William Shakespeares klassisches Stück eindrucksvoll neu interpretiert und inszeniert.

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