Berlinale der Bürger

Ich habe mir sagen lassen, dass im Gegensatz zu anderen großen Filmfestivals in Europa, beispielsweise in Cannes oder Venedig, die Berlinale das bürgernaheste Filmfest ist. Tatsächlich hat man als Festivalbesucher den Eindruck, dass die Berlinale eigentlich weniger dafür da ist, Stars den Hof zu machen, sondern viel mehr die Menschen für Filmkunst begeistern will: Angefangen bei den unzähligen Vorführungen nach denen auch schon mal die Hauptdarsteller und Macher sich den Fragen des Publikums stellen, den Podiumsdiskussionen mit Filmemachern über beispielsweise die verschiedenen Schritte der Produktion eines Films, über den Berlinale Talent Campus, bei dem es jungen Filmemachern möglich ist eigene Produktionen einzureichen, bis zu Veranstaltungen für Kinder, in denen sie ein Verständnis für Film entwickeln können. Die Berlinale ist so viel mehr als nur ein Haufen international bekannte Schauspieler auf einmal auf den roten Teppich zu karren.

Dieter Kosslik, Berlinale-Festivaldirektor, auf dem roten Teppich

Wo wir beim nächsten Punkt wären: Der rote Teppich. Anstatt die Schauspieler meilenweit darüber laufen zu lassen, bis sie in der Februarkälte Berlins erfroren sind, und die Fans genauso meilenweit von ihren Idolen entfernt stehen zu lassen, ist der Teppich so kurz wie nötig gehalten, ohne viel Brimborium um seine Existenz und Bedeutung. Die Fans stehen direkt dort, wo der Star aus dem Auto entlassen wird, und der kann sich entscheiden, ob er erst Autogramme gibt oder sich den Fotografen zum Fraß vorwirft (Zitat eines Journalisten: “Die sind wie Tiere”).

Standing Ovations für Armin Müller-Stahl bei der Vergabe des Goldenen Ehrenbären. Im Anschluss wurde der 1990 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Film "Music Box" mit Müller-Stahl gezeigt.

Genauso charmant unprätentiös sind die Preisverleihungen, zumindest die, die ich bisher erlebt habe. Keine pompöse Bühnendeko, lange Reden, Musikeinlagen oder Wirbel um ein paar Stars, sondern Preisvergaben für die man auch Karten kaufen kann (mit Ausnahme der Verleihung des Goldenen Bären und der Eröffnungsveranstaltung) und im Anschluss an die verdienten Standing Ovations für den Beschenkten, ein Film, den Publikum, Berlinale-Jury und Schauspieler zusammen gucken.

Natürlich gibt es auch elitärere Lounges und Partys, für die man spezielle Einladungen braucht, aber gerade auf der Berlinale ist es ja auch so möglich seinem Lieblingsschauspieler plötzlich über den Weg zu laufen, beispielsweise bei der Premiere eines Films am Abend. Dann ist das zwar immer noch sehr sehr aufregend, aber man fühlt sich nicht mehr kurz vor dem Herzstillstand, weil man sich über die Möglichkeit des Treffens ja schon vorher bewusst war.

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