Berlinale: A Turin Horse

Der letzte Tag der Berlinale ist fast vorbei und die Gewinner der Preise der Internationalen Jury stehen fest. Coriolanus ist nicht dabei und ich frage mich, wo die Jury ihre Augen hatte. Aber gut, ich kann die Entscheidung eigentlich nicht beurteilen, weil ich den Film „Jodaeiye Nadar az Simin“, der gleich in drei Kategorien ausgezeichnet wurde, nicht gesehen habe. War ja klar.

Szene aus "A torinói ló"

Dafür kann ich die Entscheidung der Jury beurteilen, „A torinói ló“ den Großen Preis zu geben, und das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Wenn der ungarische Film von Béla Tarr den Preis für die quälendste Langatmigkeit und Langweiligkeit, die je im Kino zu ertragen war, bekommen hat, dann geh ich mit der Jury d’accord.
In zweieinhalb Stunden passiert im Prinzip nicht mehr, als dass sechs Tage aus dem Leben eines sehr armen, ungarischen Bauern gezeigt werden, der mit seiner Tochter zusammen lebt und die für ihn die Arbeit macht, ihn anziehen inklusive. Jeder Tag ist gleich – aufstehen, Wasser holen, eine Kartoffel zum Frühstück essen, Wäsche waschen etc. – und  außer, dass die Aktivitäten aus verschiedenen Blickwinkel und Perspektiven gezeigt werden, ändert sich nicht viel im Tagesverlauf. Das Einzige was man wirklich als Handlung bezeichne kann, ist die Weltuntergangsprognose eines Nachbarn, nach der das turinische Familienpferd plötzlich nicht mehr essen will, am fünften Tag das Wasser aus dem Brunnen verschwindet und am sechsten Tag die Glut des Ofens erlischt.

„A torinói ló“ lässt den Zuschauer mehr als ahnungslos zurück und überschreitet zudem die Geduldsgrenze. In schmerzlich langen und repetitiven Einstellungen sieht man beispielsweise den Vater nach Hause reiten, die Tochter Wasser holen, beide am Fenster sitzen. Das mag zwar das bescheidene, traurige Leben der Bauern ausdrücken, aber wirklich interessant ist das nicht, zumal das Schauen des Films sich nicht nach zweieinhalb Stunden, sondern sechs Tagen anfühlt. Man fühlt sich genauso ausgemergelt, fertig und hungrig, wie die zwei Protagonisten des Films. Aber vielleicht war das ja sogar die Intention von Béla Tarr. „A torinói ló“ jedenfalls ist nur etwas für masochistische Hardcore-Arthouse-Fans, was die Jury-Mitglieder anscheinend sind.

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s