Berlinale: También la lluvia

Den Panorama-Publikumspreis der Berlinale hatte am Samstag „También la lluvia“ von Icíar Bollaín gewonnen, der einzige Film neben „The Devil’s Double“ den ich aus der Sektion „Panorama“ gesehen habe.

Der junge, motivierte Regisseur Sebastían (Gael García Bernal) möchte die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus verfilmen. Jedoch nicht als idealisierte Vorstellung der Entdeckung der neuen Welt, sondern als Hinweis auf die Gräueltaten, der Unterdrückung und Versklavung der Ureinwohner. Als Drehort wählt die Filmcrew den Ort Cochabamba in Bolivien und die angrenzende Umgebung aus. Doch während der Dreharbeiten kommt es in dem Ort zu im größeren Unruhen unter den Einwohnern, da die Wasserzufuhr nach Cochabamba gestoppt werden soll. Nach allem was man der schon armen Bevölkerung genommen hat, nimmt man ihn nun sogar den Regen, heißt es im Film. Sebastiáns Crew, darunter sein Freund und Produzent Costa (Luis Tosar), wollen nach zahlreichen gewalttätigen Aufständen die Dreharbeiten abbrechen, doch Sebastián verharrt darauf seinen Film zu Ende zu drehen.

Szene aus "Tambien la lluvía"

Der Film spielt auf mehreren Ebenen. Bollaín erzählt eben nicht nur die Geschichte von einem idealistischen Filmemacher, der alles geben würde um seine Vision zu verwirklichen, sondern auch die des Wasserkrieges von Cochabamba im Jahr 2000. Die Dreharbeiten des Films und insbesondere der Aspekt der Unterdrückung der „Indianer“ dient in „También la lluvia“ als Metapher für den Wasserkrieg, während diesem die bolivianischen Bürger gegen Bestrebungen der Regierung aufbegehrten, die Wasserzufuhr der Dörfer zu kappen. Im Gegensatz zu der indigenen Bevölkerung, die Ende des 15. Jahrhunderts unterdrückt wurde, können sich die Bolivianer jedoch gegen eine erneute „Unterwerfung“ wehren.

Auf einer dritten Ebene geht es aber auch um politische Partizipation, Fragen stellen, nicht wegschauen. Denn Costa, dem es anfänglich nur darum geht, den Film so schnell wie möglich und kostensparend fertig zu drehen, wird immer mehr in die politische Unruhen involviert und beginnt, zwar erst widerwillig, sich mit der Situation des Landes auseinanderzusetzen. Wohingegen Sebastián, blind vor lauter Idealismus und Tatendrang, den Bezug des Krieges zu seinem eigenen Film überhaupt nicht sieht.

Zwar endet der Film etwas arg pathetisch, doch auch hier ist die stark politische Ausrichtung der Berlinale zu erkennen. Zwar thematisieren viele Filme vergangene Verbrechen oder Unruhen, doch schaut man sich die derzeitige gesellschaftspolitische Lage vieler Länder an, dann offenbaren diese Filme den umso aktuelleren Bezug. Und wenn es eines ist, das man aus dem Programm der Berlinale lernt, so man es nicht schon weiß, dann das: Politische Partizipation beginnt bei dem Interesse für die Welt, auf der wir leben.

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