Don´t look back in anger…

…möchte ich am liebsten all den Musikjournalisten ins Hirn hämmern, die Oasis immer noch auf die drei vergangenen mittelmäßigen Alben reduzieren. Jetzt, da nach drei Jahren endlich das neue Album „Dig out your soul“ erschienen ist, ist es ja recht gemütlich die alten Kamellen vorzukramen. Reiche nich an „Definitely, maybe“ und „What´s the story…“ ran, Britpop sei tot und wieso in Herrgotts Namen schreibt Noel nicht mehr ALLE Texte, der Rest sei eh immer nur gerade so erträglich und überhaupt der fortwährende Wechsel der Bandmitglieder, die können gar nicht mehr gut werden.
Natürlich reicht „Dig out your soul“ nicht an die ersten beiden Alben heran, das wird wohl jeder Fan anstandslos zugeben. Das waren Meisterstücke, fünf perspektivlose Lads aus Manchester, die mit ihren drogengeschwängerten Hymnen über Zigaretten und Alkohol, Frauen, Liebe, das ewige Leben eine ganze Generation prägten. Diese Generation ist nun erwachsen, hat sich zwischenzeitlich mit anderen Bands identifiziert oder gar eine eigene Identität gefunden, aber seine Jugendliebe vergisst man nun mal nicht.
Mein Plattendealer sagte mir einmal, dass er Oasis früher auch gehört hätte, aber das wäre jetzt nichts mehr für ihn, da sei er raus. Aber Oasis liebt man nun mal oder hasst sie. Auf ewig. Die Menschen, die sie lieben, die kaufen sich auch die neuen Alben, um zu sehen, was aus der Jugendliebe geworden ist, ob sie noch taugt. Und wenn man nicht allzu sehr an alten Vorstellungen festhält, Veränderung zulässt, dann hört man auch einmal genauer hin. Was hat sie zu sagen? Was haben Oasis zu sagen?

„We live a dying dream, If you know what I mean“ singt Noel. „Falling down“ ist das zentrale Lied des Album, es gibt den Ton an. Was hat man von der Welt noch zu erwarten, für was leben wir? Es ist zudem eines des besten Stücke der letzten Jahre. Und Noel Gallagher hat hörbar an seiner Stimme gefeilt, was man von seinem Bruder Liam weniger behaupten kann. Der nölt sich dennoch wie eh und je durch das Album, zum Beispiel sehr schön auf „(get off your) high horse lady“. Wer von den ganzen Feuilettonisten noch einmal behaupten sollte, Liam könne keine Songs schreiben, der hat schon bei „The Meaning of soul“ von „Don´t believe the truth“ nicht hingehört. „I´m outta time“ ist zwar so schwülstig wie pathetisch, aber ein Liebeslied per excellence.
„Dig out your soul“ ist ein großartiges Album, mit Hängern zwar, aber ist im Gegensatz zu den letzten Alben ein großes homogenes Ganzes, bei dem man die textlichen Schwächen eines Liam, Gem und Andy im Vergleich zu Noel kaum noch wahrnimmt. Es ist natürlich kein Britpop im klassischen Sinne, weil es dafür viel zu sehr mit 60er Jahre bedeutungsschwangerer Psychedelik aufgeladen ist, aber seit wann wirft man Musikern Weiterentwicklung vor?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s