So called party over there

Da kann Leipzig natürlich nicht mithalten. Das war von vornherein klar. Irgendwie. Nun ist Leipzig noch nicht meine Westentasche, aber dieses Wochenende gab trotz der zwei Tage einen vorerst ganz guten Überblick über die hiesige Ausgehszene. In Berlin ist das ja nun so, das brauch ich wahrscheinlich gar nicht mehr zu erwähnen, tu es aber der Vollständigkeit halber trotzdem- wenn man keine Lust mehr auf einen Schuppen hat, stolpert man auf die Straße, überlegt wo man gerade ist und fällt auch schon in den nächsten Club, oder Bar, die noch um vier auf hat oder gerade erst öffnet. Da wird die Hauptstadt nicht zu unrecht gehypt. In Leipzig sieht das alles ein bisschen anders aus. Die Szene heißt hier Südvorstadt, konzentriert sich zum größten Teil auf die Karl-Liebknecht-Straße und hat ein paar nette Kneipen zu bieten. So richtig szenig und jung wird es hier nur am Abend, tagsüber ist es eine ziemlich lange, breite Straße, in der die Geschäfte samstags 15 Uhr schließen.
Am Freitag Abend eine Bar zu finden, die nach vier noch geöffnet hat, stellt sich wieder Erwarten als ein recht schwieriges Unterfangen heraus. Wenn man erstmal aus einem Laden raus ist, sind auch urplötzlich alle einheimischen jungen Leute verschwunden, ersetzt durch ahnungslose Neuankömmlinge wie mich mit dem ihn begleitenden Besuch aus der Großstadt. Der ist natürlich gespannt, will überzeugt werden und man selber unter Druck, denn schließlich möchte man irgendwann wieder Berliner Clubszene verwöhnte Freunde empfangen.
Und überhaupt, wo sind eigentlich die ganzen Studenten? In die Hauptstadt zum Feiern gefahren? Freitag Abend in der Moritzbastei, ein recht ordentliches Programm, Indiemusik, selbst Oasis spielen sie, das würde den ehemaligen Rockmusik als Heiligtum ansehenden und nun komplett auf den Elektronikzug aufgesprungenen DJs in Berlin im Leben nicht mehr einfallen, aber wo sind die Leute? Ein Bekannter, den ich zufällig treffe, sagt mir, dass es heute nicht so der Knaller sei, sonst wäre mehr los. Sonst? Es ist doch Studienbeginn! Müssten die Clubs nicht überquillen?!
Im sweat, was ein bisschen nach prolliger, All-you-can-dance, bad taste-Großraumdisse klingt, ist ein kleiner, im Keller gelegener Indie/Elektronik-Club an dem wir zufällig vorbei kommen, sogar in der „Szene“, die Preise sind alles andere als übertrieben, aber der Laden ist nicht mal zu 1/3 gefüllt.
Und wenn man dann noch einen verzweifelten Blick auf den Programmplan wirft, möchte man am liebsten den nächsten Getränkeladen plündern, Weinregal und extra Kühlschrank kaufen gehen und alle kennengelernten Mitneuankömmlinge zu sich nach Hause einladen. Sieht so früh am Morgen aber schlecht mit Spätkauf aus in Leipzig.

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