Dienstleistungsgesellschaft?

Zu diesem Thema, das sage ich vorab, bin ich vorbelastet. Ein knappes Jahr habe ich bei der Sport- und Lifestyle Marke Puma im Verkauf gearbeitet. Das heißt nicht, das ich nur hinter der Kasse stand, Artikel entsicherte, einscannte und Geld entgegen nahm, sondern aktiv Sachen an den Mann/Frau brauchte. Bedürfnisanalyse, soweit möglich und der Kunde kommunikativ, Beratung, Produktinformation geben, Alternativen aufzeigen, was man eben so Dienstleistung in einer Dienstleistungsgesellschaft nennt. Puma setzt in dieser Hinsicht besonders hohe Anforderungen an seiner Verkäufer. Das sage ich nicht, weil ich der Marke huldigen will oder Knebelverträge unterschrieb, die es mir verbieten abwertend über meinen ehemaligen Arbeitgeber zu reden, sondern weil es einfach so ist. Bei anderen großen Sport- und Markenartikelherstellern ist das größtenteils nicht anders.
Seit meiner Zeit bei Puma stelle ich also größere Ansprüche an einen Verkäufer als ich das zuvor getan habe. Natürlich will ich immer noch nicht sofort beim Reinkommen mit einem desaströs affektierten Grinsen begrüßt werden und die neuste Kollektionen in all ihren Formen und Farben vorgestellt bekommen, zumindest aber den Anschein eines Interesses am Kunden, mir, wahrnehmen. Mit dem soll der Laden schließlich sein Geld verdienen.
Mehrfach ist mir beim Shopping in Leipzig aufgefallen, dass die Verkäufer kleinerer, sowie größerer Läden, die junge Markenartikel verkaufen, nicht nur ein gnadenlos gelangweiltes Gesicht ziehen, sondern den Gast auch nicht begrüßen, ihn gar ignorieren, und sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen, die nichts mit Verkauf zu tun haben. Essen zum Beispiel. Da freut man sich doch bei dem Gedanken, dass mit den krümeligen, schmierigen Händen im nächsten Augenblick die Ware angefasst wird. „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?“, fällt mir da ein und wahrscheinlich denken sich das die Verkäufer auch, die sich am liebsten sofort auf die für die Gäste vorgesehenen Sessel lümmeln würde. Ach nee, das machen die ja schon! Bei einem Plausch mit ihren Freunden. Ein leichtes wäre es für mich gewesen da etwas mitgehen zu lassen. Mach ich natürlich, denn ich weiß, wie es dem Geschäft schaden würde. Den Verkäufern in diesen Läden scheint das aber entweder nicht bewusst oder egal zu sein.
In Berlin sieht das alles ein bisschen anders aus. Da weiß man um seine Stellung als Weltstadt und wie man das möglichst lange bleiben möchte- nämlich indem man seine Dienste anbietet. Auch wenn die Berliner für ihre Großmauligkeit bekannt sind, immerhin interessieren sie sich für ihre Kunden. Natürlich gibt es auch dort Ausnahmen, aber selbst in kleineren Läden begrüßen einen die Verkäufer mit einer angenehmen Freundlichkeit und dem Versuch es dem Kunden gemütlich zu machen. Schließlich öffnet in Berlin jede Woche ein neuer Shop von einem neuen Jungdesigner oder Menschen, die sich mit Franchising selbstständig machen wollen- bei diesem riesigen Angebot und Konkurrenzdruck muss man einen gewissen Standard einhalten, um zu überleben.
Nun ist es nicht so, dass es in Leipzig komplett andere Markenläden als in Berlin gibt. In Berlin jedoch scheint den Storemanager eher an einer Schulung der Verkäufer gelegen als hier. Oder den Verkäufern an einer Ausübung ihres Berufes.

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