Monat: Mai 2009

L.A. Crash

Gestern zum zweiten Mal „L.A. Crash“ gesehen. Auf EinsFestival. Wenn ich schon die privaten Sender nicht über DVB-T empfangen kann (und das fast nach 20 Jahren der Wiedervereinigung und der Angleichung des ostdeutschen Rundfunksystems an das westdeutsche – ab diesen Herbst kann man dann auch RTL, RTL2, VOX und Super RTL in Leipzig empfangen, brauchbar sind davon höchstens die ersten drei und das auch nur dann, wenn die gezeigten Spielfilme nicht zum 10. Mal wiederholt werden), dann doch wenigstens EinsFestival. Toll.
Immerhin konnte ich den Samstag Abend also mit dem Regiedebut von Paul Haggis (r)umbringen. Auch die großartigen Darsteller (Matt Dillon, Don Cheadle, Thandie Newton, die anderen finde ich mehr als überbewertet) können nicht über das grausige Ende hinwegtäuschen. Wie kann man denn so euphemistisch aus einem Film aussteigen, der von Rassenressentiments, Unterdrückung, Voreingenommenheit und Ignoranz gegenüber seinem Gegenüber handelt, in dem eine Frau beinahe in einem Auto verbrannt wäre, ein Kind fast und ein Jugendlicher erschossen? Wie kann man da am Ende die afroamerikanische Ärztin zeigen (die einem weißen Mann die schmerzlindernden Tabletten für dessen Vater verweigert, weil sie diesen, zugegeben, rassistischen Mann nicht leiden kann) wie ihr an einer Straßenkreuzung ein Auto hinten auffährt und mit „Maybe tomorrow“ von den Stereophonics enden? Soll das lustig sein oder ausgleichende Gerechtigkeit sein? Geht es darum? Jeder bekommt, was er verdient? Ziemlich enttäuschend für einen Film, der Gleichheit und Toleranz impliziert, aber eben nicht auf dem Niveau „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

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Dienstleistungsgesellschaft 3

Die Postfilalie meines Kiezes ist umgezogen, direkt neben meinen Hauseingang. Nicht nur, dass mich jeden Morgen der Lärm von fünf Straßenbahnlinien, einer Hauptstraße, Sparkassenkunden, Bäckereikunden, anderweitigen Kunden morgendlicher Lärmpassanten, aufmerksamkeitsdefizitären Grundschulkindern auf der anderen Seite der Straße und schlimmstmöglich sächselnden Taxifahrern, die hier auch ihren (nennt man das Filiale?) Parkplatz haben, aus meinem sonst schon unruhigen Schlaf reißen, NEIN, nun da hier auch noch jeden Morgen anscheinend gleich die Flugzeuge der DHL ihre Fracht hier absetzen (hätte man auch das Militärflughafenproblem gleich gelöst), kann ich meine Oropax getrost in den Müll werfen und in die Dusche umziehen. Obwohl, da schnarcht es mir ja aus der Nachbarwohnung entgegen…

the pains of being pure at heart

Als wir uns liebten.
liebten wir uns selbst nicht.

Als wir uns den Krieg erklärten,
gaben wir uns schon verloren.
Als wir geschlagen waren,
bemühten wir die Geschichte.

Als wir allein waren,
übertönten wir sie mit Musik.

Als wir uns trennten,
blieben wir am gleichen Ort.

So lagen wir uns bald wieder in den Armen
und nannten es ein Liebesgedicht,
aber kein Liebesgedicht erklärt uns
die Angst vor der Liebe,

und warum der Himmel so blau war,
als wir uns trafen.
und warum er immer noch blau sein wird,
wenn wir sterben werden,

du für dich,
ich für mich.

(Jörg Fauser)

Aber so leben, nein danke!

„Denn anstatt Schlagzeuger in einer mittelklassigen Band zu werden oder als erster Mensch eine Weltumsegelung auf einem Floss aus leeren Bierdosen zu machen, wollen wir lieber mit Mitte zwanzig vom Abteilungsleiter im Privatkundenbereich der UBS per Handschlag in der Verwaltungskantine begrüßt werden.“

(aus Kinki Magazine Nr. 13)