The horror, the horror

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich meine erste 3D-Brille auf der Nase umher trug. Muss so um die 10-Jährigkeit gewesen sein. Das Pappgestell, mit bunten Plasteschichten als Brillen“gläser“, fiel mir immer wieder von der Nase, was entweder an meiner Nase lag oder an der Pappe, die sich nicht wirklich hinter den Ohren halten wollte. Im 3D-Kino in Berlin hockend, setzte ich das Gestell immer wieder auf und ab und auf und ab, um die Optik zu vergleichen und mich von dem Anblick der sich vor mir auftuenden Leere namens Himmel zu erholen – ich sprang gerade mit einem Extremsportler aus einem Hubschrauber.

Gestern tat sich nicht der Abgrund vor mir auf, sondern vermehrt das ausgehölte Innere einer Leiche. Des öfteren hatte ich auch eine Spitzhacke im Auge, im Kopf beziehungsweise allen anderen Körperteilen, die mir in regelmäßigen Abständen auch zahlreich entgegen flogen. Nein, ich war weder auf einem Schlachtfeld (naja, obwohl…), noch in die Hände experimentierwütiger Chirurgen geraten, sondern in „My Bloody Valentine 3D“. Remakes sind ja unter Regisseuren total angesagt, wenn man mal die eigenen Mordfantasien in Bilder, Blut und Geschrei fassen möchte. Besonders japanische Horrorfilme dienen als Vorlage für hollywoodeske Schreischinken (The Grudge, The Ring etc.) oder man bedient sich der eigenen, vorherrschenden Ideenlosigkeit, dann lässt man das Ende offen beziehungsweise nicht, denn irgendwer will sich immer für irgendwas rächen (Halloween 1-6, H20; Nightmare on Elm Street 1-8; Scream 1, 2, 3; Ich weiß (noch immer) was du letzten Sommer getan hast etc.).

Patrick Lussier also nahm sich einen der ersten Slasher-Filme aus den 80er Jahren vor, My Bloody Valentine. Der kommt wie alle Slasher-Gore-Splatter-Filme (slash= aufschlitzen, gore=Blut, aufspießen, splatter=spritzen) schön blutig daher mit herumspritzenden Innerein, Körpersäften und -teilen. Im Vordergrund steht natürlich nicht die hahnebüchene Geschichte um den Sohn eines Kohleminenbesitzers, der eben diese Mine durch eine Methangasexplosion zum Einsturz bringt, wobei ein paar Bergarbeiter ums Leben kommen und der einzige Überlebende ins Koma fällt um ein Jahr später an Valentinstag aufzuwachen und sich an allen im beschaulichen Ort Harmony (oha, Sarkasmus) wegen was auch immer zu rächen, ein paar Überlebende zu hinterlassen, die 10 Jahre später, na klar, an Valentinstag, wieder von einem Gasmaskenmaskierten Irren heimgesucht werden (eine Liebesgeschichte mit schwangerer Geliebten gibt es auch noch – die wird aber an anderer Stelle zurecht bestraft), sondern das blutige Gemetzel in allen denkbaren Varianten und Blickwinkeln, natürlich in 3D und vorwiegend mit Spitzhacke. Schon in den ersten paar Minuten hat man also das Gefühl die paar hundert Morde direkt und live zu erleben, fängt quasi den mit einer Schaufel abgetrennten Kopf auf oder sieht ein Gebiss an sich vorbei fliegen. Das macht natürlich alles nur Spaß, wenn man Fan dieser Art von Filmen ist und nicht 120 Minuten über die Augen vor Angst und Schock und Ekel und Grundsatzdiskussionen über Ethik und Moral zukneift. Der Mittelteil ist im Gegensatz zu Anfang und Ende etwas blutarm, dafür soll wohl ein Hauch von Drehbuch inszeniert werden. Die Auflösung des Mörders überrascht dann aber doch (oder ich bin einfach nur ein schlechter Kriminologe) und man kann sogar ein wenig psychologischen Tiefgang erahnen, naja, oder an den Haaren herbei ziehen – ach, das kam ja gar nicht vor, die Haare in einen Schraubstock einspannen und… nun gut, gibt andere Filme in denen das gezeigt wird.

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2 Kommentare

  1. ich habe den film auch gesehen. muss sagen, dass er an manchen, vorallem diesen blutigen szenen, doch auch unfreiwillig humoreske momente hatte.

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