Police and the private

Jahrelang habe ich mich dagegen gesträubt an Sonntag Abenden mit meinen Eltern, allein oder wie es schon seit längerer Zeit der letzte Scheiß Schrei ist zusammen beim Public Viewing vor den Fenseher zu setzen, am besten mit einem Glas Rotwein aus dem Pappkarton und Papier und Stift um Zusammenhänge zu skizzieren und vermeintliche Täter wegzustreichen, um am Ende ganz überrascht zu tun, das war jetzt aber mal sehr schwer und verzwickt, wäre man gar nicht drauf gekommen, aber so im F6-Qualm-Rotweinmief ist das ja alles total logisch und weißt du noch, gleich am Anfang, der hat so geguckt, das war mir von vornherein klar, ich wollte es nur nicht sagen, wär ich ja der Spielverederber gewesen…

Tatort ist unbegreiflicherweise eine der erfolgreichsten Krimireihen im deutschen Fernsehen, seit 1970 hat sich nichts an der Titelmelodie geändert, Wiedererkennungswert und so, wäre ja auch zu innovativ den anachronistisch anmutenden Einspieler mal dem 21. Jahrhundert anzupassen, Stichwort Ästhetik. Die Handlungen wollen meist total komplex, verwirrend und spannend sein, verlieren aber durch die fehlende Konsequenz in der Umsetzung zunehmend an Logik und am Ende fragt man sich, wie die in ihrer bräsigen Behäblichkeit verhafteten Kommissare überhaupt den Fall lösen konnten, beziehungsweise wie solche talentlosen Schauspieler an ihre Rolle kamen – zurecht wurden diese besonders auffälligen Exemplare wahrscheinlich auch nach Konstanz oder Leipzig verlegt – passiert eh nichts. Hauptsache die ARD hat in jedem Sendegebiet ein Ermittlerteam.

Nun, nachdem ich mich in letzter Zeit zwecks fehlendem Empfang privater TV-Sender und dem resultierenden Ausbleiben, wenn nicht unbedingt logischere, so doch weitaus spannendere Blockbuster international größere Filmproduktionen zu schauen, den verschiedenen Tatorten widmete (ohne Fusel), muss ich zwar eingestehen, dass nicht alle Serien dem oben beschriebenen Bild entsprechen, doch aber der Großteil, um nicht zu sagen, allen Ermittlerteams außer denen aus Münster und München. Ob das jetzt was mit dem Anfangsbuchstaben M zu tun hat, kann ich so nicht belegen, wohl aber mit den grandiosen Schauspielern und ihrem Zusammenspiel, denen man auch gern mal die dünne Handlung verzeiht, obwohl die Drehbuchschreiber gerade in München mit mehr Rafinesse und Einfallsreichtum an ihre Arbeit gehen. Den vier Kommissaren Batic, Leitmayr, Thiel und Boerne wird neben dem Anschein ihre Arbeit gern zu tun, sogar Humor und bitterer Sarkasmus zugesprochen, Folgen werden in Echtzeit gedreht oder mit Schwarz-Weiß-Rückblenden und meist wird auf unsinnige Liebesgeschichten der Protagonisten verzichtet.

Unverständlicherweise werden noch immer Zeit und Geld in die Produktion der 13 anderen Serien investiert, womöglich um die Existen der dritten Fernsehprogrammen zu sichern.

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7 Kommentare

  1. Ja und Nein.

    Ich finde es außerordentlich lobenswert, dass mir mit meinem monatlichen GEZ – Beitrag; Woche für Woche ein durchaus unterhaltsamer ( Unterhaltsam auch deshalb, da man sich einen Tag später mit Bekannten über die letzte Folge unterhält) Fernsehabend präsentiert wird und dies ist in der gegenwärtigen Medienlandschaft die Ausnahme.
    Ja, es gibt diese Momente, bei denen ich denke: „Leute, was soll das jetzt?!“ und maßlos enttäuscht bin ( „Gesang der toten Dinge“ München/2009; „Bittere Trauben„ Saarbrücken 2009; und ALLE neuen Leipziger Folgen), um spätestens eine Woche später wieder wunderbar versöhnt zu werden.
    Man muss bedenken, seit dem Beginn des Krimiplots, den ich jetzt einfach kurzerhand auf die Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts datiere ( Agatha Christie und so…) sind wohl fast alle spannenden Geschichten erzählt wurden.
    Aber, das ist meiner Meinung nach auch nur ein Anspruch der Drehbuchautoren des Tatorts. Viel mehr fasziniert mich, wie aktuelle und gesellschaftsrelevante Themen immer wieder in manchmal mehr, manchmal weniger spannende Handlungsstränge transferiert werden. Sicher, auch das kann schnell nerven und wird leider auch allzu oft mit peinlichem Ergebnis präsentiert.
    Summa summarum:
    Bei einer kritischen Betrachtung des Tatorts ist es wenig sinnvoll pauschal zu urteilen.
    Jedes Ermittlerteam hat starke und schwächere Momente und die meiner Meinung nach besten Folgen kommen weder aus München, noch aus Münster( Obwohl ich hier die Euphorie teilen mag. ),
    sonder aus Bremen – Schatten, Abschaum; Hamburg – Investigativ ; Frankfurt – Herzversagen, Das Böse, Leerstand und viele aus Köln.

    1. Pauschal habe ich meines Erachtens nicht geurteilt, sondern lediglich meinen Gesamteindruck widergegeben, der nach mehrfachem Schauen der Tatort-Serien entstanden ist.
      Leider habe ich, wie du, keine Titel der einzelnen Folgen parat, die mir besonders miss- oder gefielen, sicherlich gibt es auf beiden Seiten auch Ausnahmen, größtenteils finde ich aber die Folgen aus München und Münster am unterhaltsamsten und spannendsten, die aus den anderen Städten eben nicht.
      Und dass der Tatort in der gegenwärtigen Medienlandschaft die qualitätsvollste Produktion sein soll, würde ich nicht sagen. Das ist ein Statement a la Reich-Ranicki, der vlt einmal in den letzten 10 Jahren Fernsehen geguckt hat und die größtenteils schlechte, sicherlich auch berechtigte, Kritik am Inhalt des Fernsehens aus dem Feuilleton-Teil der FAZ hat. Es gibt jedoch immer wieder Lichtblicke im deutschen Fernsehen, man muss sie eben nur suchen und nicht nach 3 Minuten Zappen sagen „alles scheiße“.
      Da sind nämlich sogar einige Natur- und Tierdokumentationen spannender als manch eine Tatort-Folge.

  2. Warum die Titelmelodie ändern?
    Es wäre einer der behindertsten Moves der deutschen Fernsehgechichte, nach fast 40 Jahren eine Krimi- Reihe noch in das Korsett der Moderne zu pressen und das dann noch mit „Wir müssen auch mal mit der Zeit gehen.“ zu begründen- wie abstoßend. Das hätte vor 30 Jahren vielleicht passieren können, aber jetzt wär es doch nur noch affektiert.

    Zumal, egal wie man das Intro auch abwandeln, umschreiben, neu auflegen würde, es könnte sein Ziel nur verfehlen, ähnlich dem Synchronstimmenwechsel bei bekannten Schauspielern. Nicht nur, weil das Intro eben einen maßgeblichen Bestandteil der Serie bildet. Sondern weil es auch in keinster Weise verurteilenswert ist, wenn mal etwas stehen bleibt, wenn man Vergangenheit und Gegenwart in einer nostalgischen Rückblende Händchen halten lässt.

    1. Ich finde es keineswegs abstoßend, mit der Zeit zu gehen und sich neuen Gegebenheiten anzupassen, sondern eher hinderlich in Nostalgie zu schwelgen, nach dem Motto früher war alles besser.
      Der Einspieler ist nach meinem Geschmack eben veraltet, das hat nichts mit der Titelmelodie zu tun, sondern einfach mit seiner Aufmachung. In der Geschichte vieler Serien wurde nach geraumer Zeit immer mal wieder der Einspieler abgeändert, was mit dem Wechsel von Schauspielern zu tun hat, aber auch dem Anspruch der Macher auf Ästhetik und den Zuschauern etwas neues zu bieten. Ich glaube nicht, dass sich Tatort-Fans vor den Kopf gestoßen fühlen würden, wenn die Macher ein bisschen was am Stil ändern würden.

  3. Abstoßend war eh ein übertriebener Begriff, was dem Unverständnis zu schulden ist, warum man sich überhaupt an sowas aufhängt.
    Ich finde es auch keineswegs daneben, wenn man in der Aufmachung mit der Zeit geht. Dass es hier nicht nur um die Titelmelodie geht, hatte ich auch so aufgefasst, nur nicht entsprechend formuliert. Aber die Serie ist eben ein Sonderfall. Wenn die Macher in den 80ern angefangen hätten, das Intro anzupassen, meinetwegen. So aber ist ds eben das Marge- Simpson- Syndrom, seit Anke Engelke nach 20(?) Jahren die Stimme für Elisabeth Volkmann übernommen hat, hat sich kaum jemand daran gewöhnen können. Und ob Gewöhnung ein guter Zustand ist, bleibt ohnehin fraglich.

    Ich glaub außerdem nicht, dass es für die Macher um Früher-War-Alles-Besser-Gebrabbel geht, sondern es ist eher ein stolzes Zurückweisen auf die Tradition des Tatorts, der sich so lange im Programm halten konnte. Dass der Einspieler veraltet ist, ist jedem klar, man pocht da doch sogar noch drauf, gibt dem allen eine Art Kultstatus. Es drückt ja an sich auch eine Zeitlosigkeit aus, dass Opfer und Täter irgendwie immer noch in den gleichen Mustern operieren. Alles andere am Tatort versucht sich ja an der Gegenwart zu orientieren.

    Ach naja. Vielleicht hängt’s auch damit zusammen, dass du kein Tatort- Fan bist. Ich bin’s mit Sicherheit auch nicht, aber ich find dass es ne schöne Anekdote darstellt und wenn in machen Bars zu dem Intro noch das Blaulicht rausgeholt wird, irgendwie hat das was.

  4. nun ja, ich würde das ändern der synchronstimmen nicht unbedingt mit dem ändern einer titelmelodie vergleichen (was ich ja auch nicht fordere und es mir auch überhaupt nicht ankommt), zumal sich das ja manchmal nicht vermeiden lässt, zum beispiel wenn jmd stirbt, siehe elisabeth volkmann.

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