Monat: Juli 2009

Digitalism

Es ist ja nicht so, dass ich irgendwas im größeren Sinne mit Computern und Systemadministration zu tun hätte, dass ich zwei Laptops gleichzeitig bedienen müsste, aber weil der eine, sobald ich Firefox starte, abstürzt und der andere eigentlich nur für die Uni (als Quasialibi, im Besonderen nämlich für nächtliches Bettgesurfe) dient und somit auch kaum Speicherplatz mit Musik, Bildern und etlichen anderen Ablenkungsmanövern füllt, jedoch und sogar schneller, weil neuer und effizienter, meine 16.000 Kilobits Flatrate ausnutzt, arbeite ich also gerade mit zwei Rechnern.
Warum es sich auch einfach machen und den alten Laptop einfach aus dem Fenster schmeißen, anstatt drei Mal am Tag einen Wutanfall zu bekommen, wenn es doch umständlich und energieverbrauchend geht…

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I ain´t saying…

Wieso hängen in Connewitz eigentlich deutlich mehr CDU-Wahlplakate (im Abstand von 5 Metern an jedem Laternpfahl, Baum, Zaun gleich zwei) für die Landtagswahl als solche der Linke? Ist das der Wunsch nach einer bürgerlichen Linken oder gar Provokation, wenn man sich vor Augen hält, dass es in Connewitz schon mal zu Aufmärschen des Schwarzen Blocks kommt?!

Night-Time Intermission

Dürfen Freunde, Angehörige, Bekannte in Deutschland wirklich nicht mit in den Krankenwagen, um das am Kopf blutende Häufchen Alkohol in die Notfall-Ambulanz zu begleiten und davon abzuhalten die behandelnden Schwestern und Ärzte wegen fehlendem Einfühlungsvermögen und Herzlosigkeit zusammenzulallenschreien. Oder hat der Fahrer etwa doch recht, wenn er behauptet, wir seien doch nicht in einer amerikanischen TV-Serie (ich dachte immer)? Oder hatte er sich einfach nur ein klaffende Wunde gewünscht, in der noch Teile einer Bierfasche stecken, und ein halb ohnmächtiges Mädchen, 5 Liter Blutverlust und einen bösen Wicht, den er zur Strafe mit seinem Krankenwagen überfahren kann? So richtig amerikanische TV-Serie mäßig. War ihm etwa eine rutschige Treppe nicht genug, zu unspektakulär, zu wenig Blood, Sweat and Tears?

Days of being wild: Melt! Festival 2009

Ich weiß nicht, was ich toller fand: die Aussicht von einem der imposanten Bagger auf die surreal anmutende Szenerie oder in der Nacht ungläubig auf die lichtgefluteten Stahlmonster hinauf zu starren, die sich irgendwann mal, vor Zeiten des Klimawandels- und Bewusstsein, durch Kohle tagebauwerkten, oder im Fotografen-Graben zu stehen und all die großartigen Bands ohne Wackelkontakt auf die Kamera zu bannen oder bei Oasis auf die Schultern genommen zu werden und die Menschen mithymnen zu sehen (tausende Festivalbesucher könnten nie sechs Mancunians neben mir ersetzen) oder tanzend bei chk-chk-chk Gänsehaut zu bekommen, trotz Schal, Regenjacke und Lederstiefeln oder mit all den tollen Menschen und Freunden unterwegs gewesen zu sein und zusammen drei Tage Regen, Sturm, umherfliegende Pavillons, eingeschränkte Waschmöglichkeiten, Dixi-Klo-Gestank, das ganze Festivalprogramm wie man es eben kennt, durchgestanden, nicht allzu viel Geld in die 4 Euro teuren Biere gesteckt, dafür aber unglaublich viel Spaß gehabt zu haben.
Mehr dazu auch hier auf mephisto 97.6.

Familiar Feeling

Jack White scheint unausgeglichen oder unterfordert gar. Vielleicht weiß er auch einfach nicht wo hin mit all seinen Ideen und Talenten. Wie sonst sollte man es erklären, dass er gefühlt jedes Jahr eine neue Band mitbegründet? Alison Mosshart, eine Hälfte von The Kills, Dean Fertita, Gitarrist bei Queens of the Stone Age, und Jack Lawrence, Bassist der Raconteurs sind in dieser Hinsicht bis jetzt zwar weniger aufgefallen, aber nicht weniger aktiv. Zusammen bilden sie seit März The Dead Weather und werden seitdem als neue Superband gehandelt, was ja auch irgendwie gerechtfertigt ist bei all diesen Musikern und dem Endprodukt, aber auch nicht verwunderlich, da sie eh alle in der selben Suppe schwimmen: White und Lawrence spielen zusammen bei The Raconteurs, Fertita hat da mal mitgetourt, The White Stripes coverten „Fragil Girl“ von The Waxwing, der Ex-Band Fertitas und Lawrence heiratete seine Frau in Whites Haus in Nashville. Mosshart passt da zwar familiär nicht so rein, musikalisch dafür umso mehr. Denn das erste Album von The Dead Weathers ist ein Rock-Blues-Monster per excellence, eine Mischung all der großartigen Band in denen die Musiker spielen. „Horehound“ knarzt, quietscht und poltert, wo es nur kann. Mal ist es mehr dem Nashville-Blues geschuldet (60 Feet Tall, So Far From Your Weapon) und erinnert mich ein ums andere mal The Black Keys, „I cut like a buffalo“ kommt sehr raggae-mäßig daher und fällt eher aus der Reihe, „3 Birds“ wirkt wiederum sehr düster und wie im Wahn dem Abgrund nahe, auf „Bone House“ ballen sich dagegen psychedelische Gitarrenwände vor einem auf:

Und durch das ganze Album schreit sich kraftvoll Mosshart. Mit Ausnahme von „Will there be enough water“, dass sich nachdenklich und leise als letztes Lied vom Hörer verabschiedet und die Brücke schlägt zum Bandnamen, so man denn eine klimakatastrophale Verbindung sehen möchte.

Jedenfalls, eines der besten Alben des Jahres soweit.

Beat it!

Schon zu Lebzeiten ist es ja den meisten Künstlern nicht vergönnt, berühmt zu werden und mal eine Single in den Top100 irgendwelcher Quatsch-Charts zu haben. Sterben scheint also wohl das probate Mittel zu sein, auch wenn Michael Jackson während seiner Karriere immerhin den Titel „King of Pop“ verliehen bekam, mit seinen unzähligen Nummer 1 Hits und Alben also einer der erfolgreichsten Künstler des 20./21. Jahrhunderts war ist. In den aktuellen Media-Control-Charts ist Michael Jackson momentan mit 24 Liedern unter 100 vertreten. Hat er zwar nichts mehr von, dafür seine Erben. Klasse dieses virale Marketing mit dem Jackson posthum noch verkauft wird, und die ganz engen Freunde, die so viel über ihn zu berichten wissen.

If you have a cross to bear, you may as well use it as a crutch

Muss erst wieder die Titanic kommen, um unserer Qualitätsgesellschaft und -politik in Berlin den Spiegel vorzuhalten bzw. gleich damit ins Gesicht zu schlagen:

Schlimm, deutsche Zeitungsverleger,
daß Euch das böseböse Internet  Eure Top-Qualitätszeitungen kaputtmacht: »Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen.« Weswegen Ihr in einem gemeinsamen Appell von Springer,
Spiegel, Bauer, Gruner + Jahr und anderen Bastionen der journalistischen Seriosität fordert, daß die »ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums verboten bleiben« müsse. Schön und gut, Verleger. Nur – wo bekommen Eure Angestellten denn dann demnächst ihre »Hintergrundinformationen« her, wenn sie nicht einfach bei Wikipedia abpinnen dürfen? Und woher nehmen sie nach dem nächsten Flugzeugabsturz/Amoklauf die Bilder der Opfer, wenn sie nicht mehr nach Belieben StudiVZ, Facebook oder die Homepages von Sport- und Freizeitvereinen plündern dürfen? Wie? Das dürfen die schon jetzt nicht? Und Ihr schert Euch aber einen Dreck drum? Weil’s ja eben um »die Erstellung von Qualitätsinhalten und von unabhängigem Journalismus« geht? Und nicht etwa ums liebe Geld?
I wo; Ihr wollt ja nicht mal Subventionen: »Gerade weil wir keine Subventionen wollen, benötigen wir Unterstützung beim Schutz des geistigen Eigentums.« Die könnt Ihr gerne haben: Behaltet Euer geistiges Eigentum mal schön für Euch!
Nimmt’s nicht mal geschenkt: Titanic
“ (Titanic, Juli 2009)

Helfen wird´s wohl dennoch nichts. Immerhin, ein Hoch auf das Zitatrecht. Oder soll das auch gleich mit abgeschafft werden?

Die glorreichen Sieben

Da ja mindestens einmal die Woche ins Kino zu gehen mehr als erstrebenswert ist, qua fehlender Finanzierungsmöglichkeiten und Zeit allerdings meistens nicht umsetzbar, muss man notgedrungen den Weg in die nächste Videothek nehmen und die vielen Filme auf dem für studentische Verhältnisse zwar immer noch recht okayen, aber für cineastische Ansprüche überhuapt nicht akzeptablen Fernseher schauen. Die Anschaffung eines Beamers plus ausziehbarer Leinwand wäre also wünschenswert, scheitert wiederum am Geld (was sonst).
Das Gute an so einer Videothek wiederum ist der Bestand an all den vielen Filmklassikern und Indieperlen, die man noch nicht entdeckt hat oder schon immer mal schauen wollte und irgendwann nach einstündigem Studium der Regalreihen vorfreudig in der Hand hält, auf dem Heimweg dann skeptisch ob das die richtige Wahl war, aber spätestens nach dem Abspann euphorisch im Bett liegt ob der tollen Schauspieler, Dialoge, Bilder und immer wieder der Soundtrack, auf dem man dann wiederum die tollsten Bands entdecken kann.

In wahlloser Reihenfolge hier nun die sieben Filme der letzten drei, vier Monate, die meist sehr witzig, intelligent und toll besetzt waren, mich nachdenklich stimmend einschlafen ließen und mehr als nur planlose Mainstream-Unterhaltung sind.

1. Stay (2005): Fragt man sich ja immer wieder wie solch großartig besetzte Mysterien an einem vorbeigehen. Wahrscheinlich war ich 2005 zu sehr mit Lost in Translation beschäftigt. Ewan McGregor, Naomi Watts und Ryan Gosling jedenfalls schweben qausi durch diesen Film schweben, in dem alles wie losgelöst scheint,  in dem Zeit und Raum verschwimmen, verschwinden und man nicht weiß, was real ist, was Fiktion, was Traum und Wirklichkeit, ein Film von dem man ob der intensiven Bilder nicht mehr die Augen lassen kann.

2. Vicky Cristina Barcelona (2008): Die letzten beiden Filme von Woody Allen fand ich eher mittelmäßig gelungen. Match Point kann man als einen zu langweilig inszenierten Versuch Allens ansehen mal außerhalb von New York was thrillermäßiges zu produzieren, mit einer fehlbesetzten Emily Mortimer und einer unterforderten Scarett Johansson. Scoop dagegen war völlig albern in allen Bereichen.
Vicky Cristina Barcelona nun, in Spanien, gedreht, sprudelt vor Lebendigkeit, Wortwitz, hinreißenden, exzentrischen Charakteren (Scarlett Johansson, Penelope Cruz und Javier Bardem in den Hauptrollen) und, zum Glück, dem fehlenden, obligatorischen Auftritt des Regisseurs selbst.

3. 2 Tage Paris: (2007): Damals schon im Kino gesehen und seitdem auf DVD haben wollend, wandte ich mich vor kurzem an Ebay und konnte eine Woche später die Liebeskomödie mit Julie Delpy und Adam Goldberg wieder und wieder und wieder in den DVD-Player schieben, um die grandiosen Dialoge auswendig zu lernen in denen Delpy (führte auch Regie und schrieb das Drehbuch) mit ihrer Heimat Paris und den Eigenheiten ihrer Landsleute abrechnet und einige bittere Wahrheiten über die Liebe zu Tage fördert.

4. Secretary (2002): Maggie Gyllenhall spielt die an autoaggressivem Verhalten leidende Sekretärin Lee eines sadistischen Anwalts (James Spader) Eward. Was zunächst nach sexueller Belästigung anmutet, entwickelt sich zu einem sadomasochistischen Spiel der beiden, in dem Lee nicht nur ihre Sexualität entdeckt und ihr autoaggressives Verhalten einstellt, in dem sie sich Befriedigung durch Schläge und Erniedrigung einholt, sondern auch Edward erkennt was es bedeutet zu lieben und zu achten.

5. Darjeeling Limited (2007): Jason Schwartzmann, Owen Wilson und Adrien Brody sind als drei ungleiche Brüder auf einer skurrilen Reise mit dem Darjeeling Limited durch Indien um nach dem Tod des Vaters die Mutter wieder zu sehen. Dabei finden die Brüder nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander. Lieblingslied des Soundtracks: „Where do you go to my lovely“ von Peter Sarstedt.

6. Rushmore (1998): Nochmal Jason Schwartzmann und Wes Anderson. Der 15-jähirge exzentrische Max Fischer (Schwartzmann) geht zwar schon in die 10. Klasse der Privatschule Rushmore, ist aber trotzdem noch unterfordert. Um seine Langeweile auszugleichen schreibt er Theaterstücke, gründet zahlreiche Clubs (Schach, Bogenschießen etc.) und frönt der Fehde mit dem Schulleiter, die Noten sind ihm dabei egal. Als er die neue Lehrerin Ms. Cross kennen lernt, glaubt er in ihr seine große Liebe zu entdecken und lässt sich allerlei Spielchen ausdenken um sie von ihm zu überzeugen –  Ein bisschen Gesellschaftskritik, Liebeswirren, sonderliche Begebenheiten und viele eitle, extravagante Charaktere.

7. I Heart Huckabees (2004): Obskurer Selbstfindungstripp des mit sich und der Welt unzufriedenen Umweltkativisten und Philosoph („You rock, rock“) Albert (Jason Schwartzmann), der sein Seelenheil in einer nicht weniger obskuren Dedektei findet, die wiederum Albert bei seinem Selbstfindungstripp mit noch obskureren Methoden und Rumkramen in seiner Vergangenheit hilft, während der sich mit dem Feuerwehrmann Tommy (Mark Wahlberg) gegen die Dedektei verbündet um sich später gegenseitig Bälle an den Kopf zu werfen, um des puren Daseins Willen. In Nebenrollen Dustin Hoffmann, Isabelle Huppert, Jude Law und Naomi Watts.

Tugend des Tages: Teilen können

Interessanter Artikel auf tagesspiegel.de über den neuentfachten Zensurwahn der Musikindustrie und Politik und die Frage, wer eigentlich Täter und Opfer im sogenannten „rechtsfreien Raum“ sind.
Ich habe übrigens vor ein paar Tagen im Leipziger Stadtmagazin „Kreuzer“ ohne zu bezahlen gelesen (oha). Betreiben eigentlich auch all die Magazine und Zeitungen Spionage, wenn sie in ihren Umfragen unter anderem wissen wollen, ob jemand anderes im gedruckten Medium mitliest und sich mitschuldig macht für den „Kostenlos-Wahn“? Von wegen Kasten Wasser/Fahrrad/Lange Nacht-der-Museen-Gutschein gewinnen, wird alles gleich an den Deutschen Nachrichtendienst weitergeleitet.

Style Council

Die amerikanische Hippster-Marke American Apparal ist ja nicht für die Wiedereinführung der Karottenhose mitverantwortlich, sondern auch den neumodischen Porno-Look (den ich eigentlich zu gern mal an den Prostituierten auf der Oranienburger Straße in Berlin sehen würde) zum Beispiel hier oder dieses Exemplar, bei dem ich immer an Amy Winehouses „Fuck me Pumps“ denken muss, nur dass es noch ein bisschen einladender ist. Ganz besonders new ravig und eigentlich schon wieder out, weil letztes Jahr auf dem Melt! zu Tode getragen, sind diese Teile:

prolog festival

Mit einem Jahr Verspätung also auch in Leipzig auf dem Prolog Festival angekommen: die silberne Leggings. Passend dazu die goldene Mango-Tasche und um es noch ein bisschen bunter zu gestalten die rote Wolljacke. Falls die Geschmacksverirrung noch ein paar Jahre anhalten sollte, kann man ja mit dem Kind Partnerlook-Wettbewerbe veranstalten…