Die glorreichen Sieben

Da ja mindestens einmal die Woche ins Kino zu gehen mehr als erstrebenswert ist, qua fehlender Finanzierungsmöglichkeiten und Zeit allerdings meistens nicht umsetzbar, muss man notgedrungen den Weg in die nächste Videothek nehmen und die vielen Filme auf dem für studentische Verhältnisse zwar immer noch recht okayen, aber für cineastische Ansprüche überhuapt nicht akzeptablen Fernseher schauen. Die Anschaffung eines Beamers plus ausziehbarer Leinwand wäre also wünschenswert, scheitert wiederum am Geld (was sonst).
Das Gute an so einer Videothek wiederum ist der Bestand an all den vielen Filmklassikern und Indieperlen, die man noch nicht entdeckt hat oder schon immer mal schauen wollte und irgendwann nach einstündigem Studium der Regalreihen vorfreudig in der Hand hält, auf dem Heimweg dann skeptisch ob das die richtige Wahl war, aber spätestens nach dem Abspann euphorisch im Bett liegt ob der tollen Schauspieler, Dialoge, Bilder und immer wieder der Soundtrack, auf dem man dann wiederum die tollsten Bands entdecken kann.

In wahlloser Reihenfolge hier nun die sieben Filme der letzten drei, vier Monate, die meist sehr witzig, intelligent und toll besetzt waren, mich nachdenklich stimmend einschlafen ließen und mehr als nur planlose Mainstream-Unterhaltung sind.

1. Stay (2005): Fragt man sich ja immer wieder wie solch großartig besetzte Mysterien an einem vorbeigehen. Wahrscheinlich war ich 2005 zu sehr mit Lost in Translation beschäftigt. Ewan McGregor, Naomi Watts und Ryan Gosling jedenfalls schweben qausi durch diesen Film schweben, in dem alles wie losgelöst scheint,  in dem Zeit und Raum verschwimmen, verschwinden und man nicht weiß, was real ist, was Fiktion, was Traum und Wirklichkeit, ein Film von dem man ob der intensiven Bilder nicht mehr die Augen lassen kann.

2. Vicky Cristina Barcelona (2008): Die letzten beiden Filme von Woody Allen fand ich eher mittelmäßig gelungen. Match Point kann man als einen zu langweilig inszenierten Versuch Allens ansehen mal außerhalb von New York was thrillermäßiges zu produzieren, mit einer fehlbesetzten Emily Mortimer und einer unterforderten Scarett Johansson. Scoop dagegen war völlig albern in allen Bereichen.
Vicky Cristina Barcelona nun, in Spanien, gedreht, sprudelt vor Lebendigkeit, Wortwitz, hinreißenden, exzentrischen Charakteren (Scarlett Johansson, Penelope Cruz und Javier Bardem in den Hauptrollen) und, zum Glück, dem fehlenden, obligatorischen Auftritt des Regisseurs selbst.

3. 2 Tage Paris: (2007): Damals schon im Kino gesehen und seitdem auf DVD haben wollend, wandte ich mich vor kurzem an Ebay und konnte eine Woche später die Liebeskomödie mit Julie Delpy und Adam Goldberg wieder und wieder und wieder in den DVD-Player schieben, um die grandiosen Dialoge auswendig zu lernen in denen Delpy (führte auch Regie und schrieb das Drehbuch) mit ihrer Heimat Paris und den Eigenheiten ihrer Landsleute abrechnet und einige bittere Wahrheiten über die Liebe zu Tage fördert.

4. Secretary (2002): Maggie Gyllenhall spielt die an autoaggressivem Verhalten leidende Sekretärin Lee eines sadistischen Anwalts (James Spader) Eward. Was zunächst nach sexueller Belästigung anmutet, entwickelt sich zu einem sadomasochistischen Spiel der beiden, in dem Lee nicht nur ihre Sexualität entdeckt und ihr autoaggressives Verhalten einstellt, in dem sie sich Befriedigung durch Schläge und Erniedrigung einholt, sondern auch Edward erkennt was es bedeutet zu lieben und zu achten.

5. Darjeeling Limited (2007): Jason Schwartzmann, Owen Wilson und Adrien Brody sind als drei ungleiche Brüder auf einer skurrilen Reise mit dem Darjeeling Limited durch Indien um nach dem Tod des Vaters die Mutter wieder zu sehen. Dabei finden die Brüder nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander. Lieblingslied des Soundtracks: „Where do you go to my lovely“ von Peter Sarstedt.

6. Rushmore (1998): Nochmal Jason Schwartzmann und Wes Anderson. Der 15-jähirge exzentrische Max Fischer (Schwartzmann) geht zwar schon in die 10. Klasse der Privatschule Rushmore, ist aber trotzdem noch unterfordert. Um seine Langeweile auszugleichen schreibt er Theaterstücke, gründet zahlreiche Clubs (Schach, Bogenschießen etc.) und frönt der Fehde mit dem Schulleiter, die Noten sind ihm dabei egal. Als er die neue Lehrerin Ms. Cross kennen lernt, glaubt er in ihr seine große Liebe zu entdecken und lässt sich allerlei Spielchen ausdenken um sie von ihm zu überzeugen –  Ein bisschen Gesellschaftskritik, Liebeswirren, sonderliche Begebenheiten und viele eitle, extravagante Charaktere.

7. I Heart Huckabees (2004): Obskurer Selbstfindungstripp des mit sich und der Welt unzufriedenen Umweltkativisten und Philosoph („You rock, rock“) Albert (Jason Schwartzmann), der sein Seelenheil in einer nicht weniger obskuren Dedektei findet, die wiederum Albert bei seinem Selbstfindungstripp mit noch obskureren Methoden und Rumkramen in seiner Vergangenheit hilft, während der sich mit dem Feuerwehrmann Tommy (Mark Wahlberg) gegen die Dedektei verbündet um sich später gegenseitig Bälle an den Kopf zu werfen, um des puren Daseins Willen. In Nebenrollen Dustin Hoffmann, Isabelle Huppert, Jude Law und Naomi Watts.

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