Monat: Dezember 2009

Ich träume von einem Winterdienst, der seiner Aufgabe nachkommt oder: I´m not dreaming of a fucking white Christmas

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Stadt Leipzig und ihre Verkehrsbetriebe mit System an den Winterdienst rangehen. Also beziehungsweise nicht, sie lassen den Schnee(matsch) einfach gezielt da liegen, wo man mit dem Fahrrad durch- und lang muss, hauptsächlich Nebenstraßen und Fahrradstreifen. Und bevor man die Schuhe voller Schnee, dreckige Hosen, nasse Socken und eine deftige Erkältung hat, steigt man als Radfahrer lieber auf die matschüberströmte Straßenbahn um, bezahlt jeden Tag vier Euro und ärgert sich am Ende des Winters mehr für Fahrkarten ausgegeben zu haben, als das Semesterticket kostet. Da freuen sich Stadt und Verkehrsbetriebe, lassen das mit dem Winterdienst auch nächstes Jahr, denn der Schnee kam ja ganz plötzlich und unerwartet, wie das im Winter nunmal so ist, und heben die Preise wieder an, weil durch den total unerwarteten Schneefall und Frost an irgendeiner Schiene ein Miniaturriss entstand, in Folge dessen man gleich vier Straßenabschnitte sperrt, das Gleisbett aufreißt und ein halbes Jahr so notdürftig überholt, dass es in zwei Jahren wieder reperaturbedürftig ist.
Danke, liebe Stadt Leipzig, dass ich deswegen Schnee in all seinen Formen, Farben und Konsistenzen hasse und schon bei dem Anblick einer Flocke panisch die Bettdecke über den Kopf reiße, meinen Kontostand prüfe und mir zwei Mal überlege ob ich aus dem Haus gehe. Auch an Weihnachten.
(Wenigstens ein Gutes hatte der Tag, nämlich die Erkenntnis das ab heute bitte jeder Tag der 23. Dezember sein möge, wenn alle Studenten schon in der heimatlichen Stube Mutters Kakao schlürfen und nicht alle Schließfächer in der Bibliothek besetzen. Bei so einer großen Auswahl hätte ich meinen Tascheninhalt eigentlich auf verschiedene Schließfächer verteilen und im Lesesaal mal laut und kräftig ins Taschentuch schnauben sollen.)

Theme from Space Island

Lag schon etwas länger in meinem Postfach, denn manchmal hab ich einfach keine Lust Newsletter zu lesen, auch wenn sie von den stets amüsanten Grand Hotel von Cleef-Mannen kommen. Hier also, auch passend zu dieser schon einmal geposteten Zitatensammlung, das „Das Technik-Medienkritische Gedicht zur Weihnachtszeit!“ (nach zwei Tage aufheiternder Endzwanzigerlektüre (was ich zwar noch nicht bin, aber trotzdem das Benannte meist stark nickend bejahen kann, auch mit Anfang 20) „Und plötzlich ist später jetzt“ von Elena Senft).

„Ich wünsche mir kein ifone, ich wünsche mir kein Chrome.
Ich wünsche mir keinen Touchscreen, den hatte ich nämlich schon.
Brach zusammen, dieser Wichser, unter meinem gentle Touch.
Ich hörte dann AC/DC und dachte „touch too much“.
Ich wünsche mir kein Google und auch keinen Twisteraccount.
„Was? Torrent ist keine Metalband?“ Ihr seht mich erstaunt!
Ist Facebook Myspace nur ohne Musik?
Deine Terrabyteplatte ist legal voll? Dass es so was überhaupt gibt!
Wieso brauche ich um zu arbeiten acht USB Kabel?
Ich möchte gar nicht Mitglied sein in diesem Highendtech User-Adel.
Ich wünsch mir nur Ruhe und drei Punkte für alle.
Das Leben ist einfach zu häufig wie Magdeburg gegen Halle.“

Und jetzt Nick Hornbys „A long way down“. Passend zur Weihnachtszeit.

Life is elsewhere

Wieso schreib ich im Traum eigentlich nicht mal der Erleuchtung nahe Abhandlungen über Thomas Hobbes´ „Leviathan“? Wieso beschäftigt mich John Nivens „Kill your friends“ verdammt nochmal mehr, als eine der wichtigsten philosophischen Schriften? Ich will nicht in der Nacht von blutigen Sexorgien, weggekoksten Nasescheidenwänden, vom Hals der Champagnerflasche knackenden Kehlköpfen träumen… Nicht dass das Buch nicht lesenswert gewesen wäre, aber umso schlimmer, dass bis auf die Morde, wohl größtenteils all die unzähligen, hochstaplerischen, untalentierten, sadistischen PR- und Musikwichser in den 90er und 00er tatsächlich so gelebt haben. Es ist zum kotzen. Sollen sie ja machen, sollen sie sich das Hirn wegkoksen und -saufen, aber es liest sich erniedrigend, gerade was den Umgang mit Frauen angeht, die durchweg zu nichts mehr als Triebbefriedigung dienen. Welch traurige Weltsicht.
Und dieser Scheiß beschäftigt mich tatsächlich mehr als die Aufklärung. Wahrscheinlich weil ich Hobbes Abhandlungen über einen gerechten Staat eher nachvollziehen kann, als Nivens steinzeitliche Weltsicht.