Go chasing rabbits

Ich bin mir immer noch nicht so sicher, ob ich Tim Burtons Verfilmung des Drogenmärchen-Klassikers „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ von Lewis Carroll nun grandios und berauschend oder eher medioker finden soll.

Visuell ist der Film natürlich ein Fest für die Augen und ungefähr nach meinen Vorstellungen beim Lesen der Bücher umgesetzt. Bunt, verspielt, mal neonfarbener LSD-Zauberwald, mal Horrorversion auf Pilzen. Die 3D-Optik tut ihr übriges, auch wenn ich sie in Splatter-Filmen aufregender finde, weil Spitzhacke im Gesicht oder ähnliches. Tim Burton, dem im Museum of Modern Art in New York derzeit eine Ausstellung gewidmet ist, ist bekannt für sein Talent surreale, verstörende und zugleich faszinierende Bilder zu schaffen, auch wenn Burton bei „Alice“ noch mehr mit den 3D-Effekten hätte spielen können.
Auch schauspielerisch gibt es nichts zu bemängeln. Johnny Depp spielt den verrückten Hutmacher solide, auch wenn er seinem Repertoire wenig hinzufügen kann, da man diese Performance seit den „Fluch der Karibik“-Filmen kennt und Depp seitdem auch nur in Nuancen anders spielen muss/soll/kann. Helena Bonham Carter als herrschsüchtige, cholerische Rote Königin und Anna Hathaway als Weiße Königin, die immer ein bisschen bekifft und zugekokst wirkt, spielen die rivalisierenden Schwestern mit dem richtigen Maß an Pathos und Paranoia. Auch Mia Wasikowska als vorlaute, eigensinnige Alice, die ins Wunderland zurückkehrt, nachdem sie als kleines Mädchen das erste Mal in den Hasenbau fiel, seitdem aber glaubt, dass alles nur ein Albtraum gewesen sei, der sie jede Nacht heimsucht, macht ihre Sache gut und kann sich neben den anderen behaupten.
Aber irgendwie fesselt mich der Film nicht, ja er berührt mich noch nichtmal auf irgendeiner Ebene. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Geschichten um Alice und ihren Drogenerlebnissen im Wunderland kenne, wobei ja auch andere Science-Fiction-Literaturverfilmungen spannend und unterhaltend sein können (zum Beispiel die „Herr der Ringe-Trilogie) und ich ja, wie gesagt, die visuelle Umsetzung mehr als ansprechend finde.  Die Spannung fehlt trotzdem. Der finale Kampf Alice´ mit dem Flugdinosaurierartigen Jabberwocky ist hahnebüchen und der Gewinner natürlich auch von vornherein klar. Und auch generell geizt Burton mit Spannungskurven. Die Dialoge sind platt, von der einfallsreichen, virtuosen Sprache Carrolls erahnt man nur in der ersten Szene mit dem Hutmacher etwas. Auch das Drehbuch musste aufgrund des komplexen Aufbaus von „Alice hinter den Spiegeln“, welches als Schachpartie angelegt ist, arg vereinfacht werden, sodass der finale Kampf, als Schachspiel inszeniert, verwirrt, weil zuvor eben nie thematisiert.

Was also bleibt, ist eine maue Story, die hinter den faszinierenden Bildern zurück bleibt.

Kinostart: 4. März 2010

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