Berlinale: 2. Tag

Ich merke gerade, dass mein Hoteltisch zu klein ist.  Überall liegen Zettel mit Notizen, Programmplänen, Zeiten, Stiften, Sticks, Bücher. Nur nicht auf dem Schreibtisch, denn da steht der Laptop und da ich nicht gern auf dem Bett arbeite, weil Maus auf Bettlaken, also so. Im Chaos. Warum nicht.

Weniger chaotisch war der Tage heute. It’s getting better, man. Zwei Filme („Margin Call“ und „The Devil’s Double“) und die dazugehörigen Pressekonferenzen, im Akkord nacheinander, kleine Essenspause dazwischen und abends die Ausstellungseröffnung „Hauntings I (Fragments)“ von Guy Maddin in der kanadischen Botschaft. Schön mit Sekt und lauten Menschen, die glauben, nur weil die kanadische Botschaft (also der Marshall McLuhan Salon) kein Museum ist und dort keine Gemälde aushängen, könne man sich Sinnloses zur Ausstellung entgegen schreien und mit den Stiefeln ziellos auf dem Boden rumhacken. Was ja auch total Sinn ergibt bei mit Musik unterlegten Kurzfilmen. Macht man ja im Kino, der Oper oder auf dem Konzert auch. Wobei das bestimmt solche Menschen sind, die denken, nur weil die Musik auf einem Konzert mal kurz leiser wird (Spannungsaufbau, Stilmittel), wäre es ja nun angebracht auch endlich mal wieder laut zu reden, hat man ja so lange nicht mehr und die Musik, deretwegen man Eintritt bezahlt hat, ist ja auf einem Konzert irgendwie auch zweitrangig, Hauptsache man belästigt andere Menschen mit den Nichtigkeiten eines Lebens, an dem man nicht Anteil haben wollte.

In die Ausstellung jedenfalls werde ich noch einmal gehen, denn den kanadischen Regisseur Guy Maddin, der auch in der Jury sitzt, versteht man nicht unbedingt sofort. Also eigentlich ist das fast ausgeschlossen, denn man muss sich erst einmal an die Stummfilmoptik, die schnellen Schnitte, dem Over-Acting (Stummfilm und so) der Schauspieler und den überhaupt philosophischen bis der Welt entrückten Satzfetzen, die als Brücke zwischen den Szenen fungieren, Dialogbytes, Erklärung der Szenen und der Figuren, gewöhnen, die Maddins Regie charakterisieren, die fernab von allen Sehgewohnheiten und Konventionellem liegt. Die Kurzgeschichten handeln unter anderem von „Beloved Bela and the whitest of wolfs“, einem „Devil-Bear“ und einem Raketenwissenschaftler.

Auch in J.C. Chandors „Margin Call“ gibt es einen Raketenwissenschaftler, aber der Übergang ist mir doch ein bisschen zu doof, weswegen ich mich im nächsten Artikel an dem Cast des Finanzdramas ergötze.

Der Plan für morgen steht übrigens auch schon. Zu sehen gibt’s den hier.

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