Berlinale: The Devil’s Double

Dominic Cooper auf der Pressekonferenz zu "The Devil's Double"

Dominic Cooper bringt es in der Pressekonferenz schon ziemlich auf den Punkt, wenn er seinen neuen Film „The Devil’s Double“ als „fast, hectic vision of a nightmare“ beschreibt. Der Film erzählt die wahre Geschichte des irakischen Offiziers Latif Yahia, der von Udai Hussein, dem ältesten Sohn des ehemaligen irakischen Diktators Sadam Hussein, dazu gezwungen wird, sein Double für öffentliche Auftritte zu sein. Widerstand ist zwecklos, denn Udai hat nicht nur Macht, sondern auch einen kranken Kopf, der gepaart mit unbestrafter Willkür zu irrer Gewalt und Folter führt. Nicht nur gegen Menschen, die sich ihm widersetzen, sondern auch gegen junge Schulmädchen oder Hochzeit feiernde Frauen.

Ich halte eigentlich nicht viel davon, vor dem Ende eines Films den Kinosaal zu verlassen, aber „The Devil’s Double“ habe ich zunehmend nicht ertragen: Den Anblick der geschändeten Frauen, die Vergewaltigungen, deren Folgen, (also nicht mal deren Akt), gezeigt wurden, die aber so viel grausamer auf den Zuschauer wirkten. Überhaupt die willkürliche Metzelei, die man doch eher in einem Splatter-Film, als in einem Scarfaceesken Film, erwartet. Und ich hab mich gefragt, ob das sein muss, warum man so übertreiben muss, warum Latif Yahia das alles über sich ergehen lässt, nur wegschaut, aber nichts tut. Aber als dann der echte Latif Yahia in der Pressekonferenz sagt, dass in dem Film gerade mal 20% der Geschehnisse gezeigt werden, die er erlebt und gesehen hat, war’s im meinem Kopf plötzlich nur noch schwarz. Es stellt sich dann eben doch nicht die Frage „Musste das sein?“, sondern es soll, wie Dominic Cooper sagt, den wahren Horror unterstreichen, zu dem Udai Hussein fähig war.

Cooper, der gleich zwei Rollen in dem Film übernimmt, die des irren Diktatorsohn Udai und die des eigentlich Regimetreuen Yahias, der immer mehr an seiner Integrität, Patriotismus und Loyalität gegenüber seinem Land zweifelt, fand es verständlicherweise auch nicht unbedingt schön jemanden zu spielen, für den ein Menschenleben nichts bedeutet. „I felt no sympathy towards Udai”, so Cooper, den man zuletzt als leicht hysterischen Drummer in “Tamara Drewe” sehen konnte und der in “The Devil’s Double” in der Doppelrolle brilliert

Der Film ist nicht unbedingt für Zartbeseitete und was zudem arg stört, ist seine grelle Optik und überzeichneten Bilder, die in ihrer Belichtung an die amerikanische Krimiserie „CSI: Miami“ erinnern, in der der Scheinwerfer immer direkt in die Kamera gerichtet zu sein scheinen. Schade auch, dass der Film mehr sein will als nur ein Porträt, denn indem versucht wird die Stimmung und den Hintergrund der Geschehnisse durch Archivaufnahmen der Aufruhen und des Krieges zwischen Irak und Kuwait zu zeigen, verkommt „The Devil’s Double“ zu einer pseudo-dokumentarischen Schnellzusammenfassung der Kämpfe, die nicht in den sonst so auf Hochglanz polierten Film passen.

Dennoch  muss dem Mut einen solchen Film zu machen und die ja wahre Geschichte des Latif Yahia zu erzählen, Respekt und Anerkennung gezollt werden, gerade im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse in beispielsweise Ägypten, die, wie Yahia bekräftigt, gerade durch Willkürherrschaft und Missachtung menschlichen Lebens entstehen.

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