Berlinale: True Grit

Es gibt Filme, die so gut sind, dass man an ihnen zweifelt, nach Fehlern sucht, im Skript, in der Gestaltung, in der Darstellung, den Film überdenkt, alle gespeicherten Bilder noch einmal durchgeht, beginnt etwas aufzuschreiben, aber es wieder zu löschen, weil es pseudo-kritisch ist, bis man einsehen muss, dass der Film einfach perfekt ist.

Joel und Ethan Coen haben mit „True Grit“ als Eröffnungsfilm der Berlinale ein Meisterwerk abgeliefert. Dabei stellt sich wieder einmal heraus, dass die Abneigung der Coen-Brüder gegenüber der Presse gut ist, dass sie keine PR-Spiele nötig haben um die Aufmerksamkeit auf einen vielleicht durchschnittlichen guten Film zu ziehen, wenn sie sich fernab aller Öffentlichkeit auf das Drehen und Produzieren eines perfekten Films konzentrieren können. Bereits mit „No Country for Old Men“ drangen sie in Bereiche des Epischen vor, besonders was die Bildgestaltung betrifft, die nicht durch ausgefeilten Computertechnologie-Schnickschnack bestimmt ist, sondern durch ruhige, weiche Schnitte und Überblendungen, melancholische Weiten und Panoramaansichten, Close-Ups, wenn es der Figur und der Szene gebührt, unaufdringliche Musik, Spannungsaufbau, der nicht von der hektischen Kamera ausgeht, sondern von dem Geschehen auf der Leinwand, dem intensiven Spiel der Schauspieler und der immer anwesenden, aber nie aufdringlichen, feinen Ironie in den Dialogender Coen-Brüder, die ihre Filme so unvergleichlich macht.

„True Grit“ ist da keine Ausnahme. Ein typischer Western eigentlich, aber so viel mehr als nur Pferderitte in den Sonnenuntergang, Bandenrivalität oder Glorifizierung eines Helden. Zumal diesmal nicht ein Mann der Heroe ist, sondern ein Mädchen, dargestellt von Hailee Steinfeld, sich gegen die patriarchalische Ordnung währt, selbst ihre Rache einfordert und nicht tatenlos darauf wartet, dass die Arbeit jemand anderes für sie macht.

Jeff Bridges und Hailee Steinfeld in "True Grit", © Berlinale

Die 14-jährige Mattie Ross wird von der ein Jahr älteren Steinfeld so authentisch, schlagfertig und durchsetzungsfähig dargestellt, dass man sich bei der Pressekonferenz fragt, ob das nicht zwei verschiedene Mädchen sind: einerseits die knallhart verhandelnde, zähe Rächerin, andererseits ein dauergrinsender Teenager. Ihre Leistung verdient sehr großen Respekt, auch was die zwei anderen handlungstragenden Charakter anbelangt: Jeff Bridges als alter, einäugiger, versoffener, berüchtigter Marshall Rooster Cogburn (für dessen Darstellung John Wayne bereits den Oscar erhielt) und Matt Damon als stolzer, etwas schrulliger Texas Ranger LaBoeuf, der bereits vor Mattie auf den Spuren des Mörders war und diesen bereits durch halb Amerika verfolgt hat. Während LaBoeuf und Cogburn die jeweils andere Profession in verbalen Schlagabtäuschen in Frage stellen, ist es Mattie, die die Suche nach dem Mörder (Josh Brolin) vorantreibt, das ungleiche und unfreiwillige Trio zusammen hält. Matt Damon beweist dabei wieder einmal, wie wandlungsfähig er ist und in der Lage, die feinen Nuancen der zur Überzeichnung neigenden Charaktere stimmig zu interpretieren. Ebenso Jeff Bridges, der zwar wieder einen alten, versoffenen Helden spielt, aber einen mit klaren Verstand, Schneid, Loyalität, Gewissen, Moral und einem furchtbar guten Hang zum Sarkasmus.
Jeff Bridges spielt in den letzten Jahren die Rollen seines Lebens (ausgenommen „Tron: Legacy“) und nicht ohne Grund läuft dieses Meisterwerk der Coen-Brüder nicht im Wettbewerb der Berlinale.

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