Berlinale: Über die Leere nach der Liebe

Gleich zwei Filme im „Wettbewerb“ der Berlinale beschäftigen sich mit der Trennung eines Paares. In „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ und „Un mundo misterioso“ ist es beide Male die Frau, die den Mann verlässt, aber scheinbar nicht für immer. Und beide Mal ist es nicht die Fülle an Handlung, die das Geschehen bestimmt, denn in beiden Filmen passiert fast nichts.

Der Koreaner Lee Yoon-ki zeigt in „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“  den letzten Tag eines Ehepaars. SIE (Lim Soo-jung) verlässt IHN (Hyun Bin) auf einer Autofahrt zum Flughafen wegen einem anderen. Nach ihrer Rückkehr packt sie ihrer Sachen, während er ihr, ohne Widerspruch oder Versuche sie zurück zu gewinnen, dabei zuschaut, denn es würde ja eh nichts an ihrem Entschluss ändern. Eigentlich sollte sie von ihrem Neuen abgeholt werden, doch der Dauerregen hat die Straßen überspült und so gehen beide zusammen jeden Raum ihres großen Hauses durch. Nach und nach erfährt der Zuschauer, durch die wenigen Worte, die die beiden wechseln, welche Art von Beziehung sie hatten, was sie miteinander teilten und was sie immer noch verbindet.

Lim Soo-jung und Hyun Bin in "Kommt Regen, kommt Sonnenschein"

„Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ erfordert viel Geduld. Denn oberflächlich betrachtet, passiert fast nichts, zumal die Handlung komplett in dem Haus des Noch-Paares stattfindet. Doch die unausgesprochenen Gefühlen und Emotionen, die sich nur in wenigen Szenen offenbaren, spiegeln sich umso mehr in den Gesichtern der beiden Darsteller und dem fragilen Verhalten, dem einander Ausweichen, aber dem noch immer vorhandenen zärtlichen Annähern. Und wenn beide am Ende des Tages zusammen kochen, dann ist eigentlich alles, wie immer, dann wirkt es so, als wollte sie sich gar nicht von ihm trennen, als sehe sie nur keinen anderen Ausweg. Gerade der Titel des Films suggeriert ja auch ein glücklicheres Ende.

Beeindruckend ist besonders das feine, reduzierte Spiel von Lim Soo-jung und Hyun Bin, deren Interagieren keiner Worte bedarf und „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ bis zur letzten Minute spannend macht, auch weil man einfach die Augen nicht von diesen wundervollen Schauspielern lassen kann und weil man gern mehr über dieses Paar wissen möchte, das sich noch so viel zu sagen hat.

Boris (Esteban Bigliardi) mit seiner neuen Bekanntschaft Ingrid (Rosario Bléfari)

Überhaupt nicht spannend dagegen ist „Un mundo misterioso“ und man fragt sich eher unter welche myteriösen Umständen der Film es ins Berlinale-Programm geschafft hat. Denn so planlos wie Boris (Esteban Bigliardi) nach der Trennung von Ana (Cecilia Rainero) durch Buenos Aires irrt, so ziellos ist Rodrigo Morenos Film. Der verliert sich in ewigen, aussagenlosen Szenen, die Boris beispielsweise beim Auto- oder Busfahren zeigen. Dabei soll wohl gerade Boris‘ neues Auto, ein blauer, rumänischer R6-Nachbau, als Allegorie auf sein Innenleben dienen: äußerlich in gutem Zustand, aber die Einzelteile kaputt und nicht mehr zu gebrauchen.

Wie zäher Brei fließt die Handlung so vor sich hin, die Leere und Unfähigkeit Boris‘ das Leben weiter zu leben darstellend, doch dabei wird weder Spannung durch Handlung, interessante Kameraführung, Musik oder Esteban Bigliardis Schauspiel erzeugt. Es ist irgendwie alles so langweilig, wie das Leben manchmal ist und um zu dieser Einsicht zu gelangen, muss man keinen Film drehen.

Kommt Regen, kommt Sonnenschein im Berlinale-Programm:

  • 18. Februar, 9.30 Uhr im Friedrichstadt Palast
  • 18. Februar, 22.30 Uhr im Kino International
  • 18. Februar, 22.30 Uhr im Urania
  • 20. Februar, 18 Uhr im Berlinale Palast

Un Mundo Misterioso im Berlinale-Programm

  • 17. Februar, 20 Uhr im Urania
  • 20. Februar, 20 Uhr im Berlinale Palast

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