Gegen die Synchronisierung von Filmen

(Ein paar Gedanken, die mir kamen, als ich die Kritik zu dem Film „Rango“ schrieb)

Allein die Ansage der PR-Frau vor Beginn eines Films, dass dieser jetzt in der deutschen Fassung gezeigt wird, kann die Vorfreude auf einen Film ziemlich verderben.
Dem deutschen Publikum wird nicht nur wieder die Denkleistung abgenommen, in dem die Originalfassung ins Deutsche übersetzt wird. Viel schlimmer ist, dass die Arbeit der Schauspieler überhaupt nicht gewürdigt werden kann beziehungsweise durch die Synchronisation herabgesetzt wird, so gut diese auch sein mag. Denn die Leistung liegt ja nicht nur in der Mimik und Gestik, sondern auch in der adäquaten Intonation und stimmlichen Interpretation einer Szene. Es ist eben nicht egal, ob der Schauspieler nuschelt oder klar spricht und, viel allgemeiner, wer da spricht. Dies trifft besonders für Animationsfilme zu. Die menschlichen Stimmen hauchen den am Computer erstellten Tieren, Spielzeugen, Autos etc. überhaupt erst Leben ein und übertragen ihren eigenen Charakter teilweise auf den von ihnen dargestellten. Dann ist es nämlich nicht nebensächlich, ob beispielsweise das Chamäleon Rango in dem Animationswestern „Rango“ von Johnny Depp oder jemand anderem gesprochen wird, denn die Macher des Films haben ihre Schauspieler sicherlich nicht durch Würfeln ermittelt. Da nützt es auch nichts, dass David Nathan, die deutsche Synchronstimme von Johnny Depp, wieder dessen Part übernommen hat. Nathan macht seine Sache zwar gut, aber letztendlich geht bei der Synchronisierung das Gefühl und die Emotionen, die Depp und die anderen Schauspieler in ihre Rolle gelegt haben, verloren.

Zwar ist die Übersetzung in „Rango“, besonders im Hinblick auf die vielen, verschiedenen Akzente, unerwartet gut und wenig überzogen – man denke nur an die unzähligen, misslungenen Variationen spanischer Akzente in vielen Filmen zuvor. Jedoch wird der Frevel der Synchronisation umso größer, betrachtet man die Art und Weise, wie die Schauspieler den Charakteren ihre Stimmen verliehen. Regisseur Gore Verbinski steckte seine Schauspieler nämlich nicht, wie sonst üblich, in kleine Räume, wo diese ihre Zeilen aufsagen. Verbinski ließ neben den Stimmen der Darsteller, auch deren Bewegungen und die Mimik aufnehmen. Diese wurden im Nachhinein an die Animationen angepasst. So sprachen Johnny Depp, Isla Fisher, Abigal Breslin und Bill Nighy, um nur einige der Originalstimmen zu nennen, ihre Dialoge nicht isoliert voneinander ein, sondern in unmittelbarer Interaktion miteinander. Dies beinhaltete auch entsprechende Kostüme und Bühnenbilder. Ein Erlebnis, das sich mit Sicherheit in der Interpretation der Rango-Charaktere durch die Schauspieler widerspiegelt. Diese Leistung geht in der deutschen Synchronisation leider vollkommen verloren und kann dementsprechend auch nicht wertgeschätzt werden.

Nicht zuletzt bedeutet „Dubbing“ auch doppelte Arbeit, weil ein zuvor eingesprochener Film, noch einmal eingesprochen wird. Ein Aufwand, den man sich sparen könnte, würde man den Film nur mit Untertiteln versehen – was ja eh für jede DVD getan wird.
Einen Film in der Originalsprache zu sehen, bedeutet nicht nur, das Tun der Schauspieler zu verstehen, sondern auch ein Gefühl für den Film zu bekommen und das, was er mitteilt, zu verstehen. Denn wenn man einmal die Originalfassung mit der synchronisierten verglichen hat, bemerkt man erst, wieviel bei der Übersetzung überhaupt verloren geht, wieviel in der deutschen Version auch Unsinn ist und was man eben nicht alles übersetzen kann, weil es nur im Original Sinn ergibt.

Ein Kommentar

  1. ganz ehrlich… auch wenn der Kommentar ziemlich spät kommt, meinst du echt Untertitel würden die Emotionen besser als Synchronisationen widergeben? Text ist nur Ascii… Rango ist einer der besten Nathans…

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