Monat: März 2011

Charlie Sheens Spezial-DNA

Nachdem Charlie Sheen nach ein paar Drogenexzessen zu viel aus seiner der Serie „Two and Half Man“ rausgeschmissen wurde und den Anschein machte, er würde von seiner eigenen Droge nun völlig verrückt werden („You borrow my brain for five seconds and just be like ‚Dude, can’t handle it, unplug this bastard'“. Mehr aufschlussreiche Zitate hier in einem Interview ), meldete er sich gestern Abend mit einem Überraschungsbesuch bei dem amerikanischen Late-Night-Talker Jimmy Kimmel zurück.
Erst gab er Kimmel zur Begrüßung einen langen Kuss, nur um dann wild im Studio rumzulaufen und T-Shirts mit seinen besten Sprüchen an das johlende Publikum zu verteilen. Egal, wie krank oder nicht krank Charlie Sheen ist, eines muss man ihm lassen: der Mann hat ein ziemlich gutes Gespür für große Gesten und neben einer ordentlichen Portion Selbstüberschätzung, auch Selbstironie und eine exzellente Vermarktungsmaschine, die gerade wegen des Unsinns, den er erzählt, seinen Status als größenwahnsinnigsten Superstar Amerikas noch festigt.

Wer mir das Tigerblood-T-Shirt besorgt, ist meiner neuer Held.

March On

the road before us
we move on and never let out
the things we had whispered about

The Go! Team – Rolling Blackouts

Mit dem ersten Eis des Jahres auf der Straße stehen bleiben, dort, wo die Sonne an den Albauten vorbeilukt und die Hände durch die doch noch etwas kalte Luft vorm Blauwerden rettet, The Go! Team mit „Back Like 8 Track“ auf den Ohren und eine schwarze Katze beobachten, wie sie an einem von rechts nach links vorbeiläuft – Frühling fühlt sich gut an.

The Go! Team – Back Like 8 Track

That Great Love Sound

Soviele Lieblingsretro-Shoegazer-Rock’n’Roller-Surf-Punker, die ganz bald ihre neue Alben veröffentlichen:

  • The Raveonettes, deren fünftes Album „Rave in the Grave“ am 4. April erscheint. Einen ersten Eindruck gibt „Forget That You’re Young“ (hier kostenlos), das wieder mehr nach den frühen Raveonettes und nicht ganz so candy-poppig, wie „In And Out Of Control“, klingt.
  • Das neue Lied der Dum Dum Girls, „He Get’s Me High“, kann man für umme hier runterladen. Schließt sehr gut und nahtlos an das erste Album „I Will Be“ an. Ich werde wohl auf das Konzert am 11. April in Berlin gehen, denn live sind sie definitiv besser als auf Platte.
  • Auch die Vivian Girls sind generös und schenken der Welt ein etwas ungewönhlich schief gesungenes, aber bezauberndes Lied, nämlich „I Heard You Say“ von „Share the Joy“, das am 14. April erscheint.
  • und „Belong“ von The Pains of Being Pure at Heart, das am 25. März erscheint, gibt es zum Komplettanhören auf der Visions-News-Seite und die erste gleichnamige Single „Belong“ hier, die für ihre guten, poppigen Verhältnisse ziemlich episch klingt.

J Mascis: „Several Shades of Why“ im Stream

Dinosaur Jr.-Mastermind J Mascis mit neuer Soloplatte, die einem zumindest textlich den Glauben an die eine, universelle Wahrheit nehmen kann: der Liebe. Andererseits ist Mascis Hang zum Theatralischen nichts Neues; dagegen die musikalische Ausrichtung schon: Grunge-Folk. Hell, yeah!

Schönheiten: „Very Nervous and Love“, „Can I“

(Wenn der Player nicht funktioniert, dann bitte hier hin)

Filmkritik: The Fighter

Es scheint als würde Christian Bale alle fünf Jahre die Rolle seines Lebens spielen: erst den paranoiden Yuppie-Killer in „American Psycho“ 2000, fünf Jahre später einen an Amnesie leidenden Schlaflosen in „The Machinist“ und nun den Crack-süchtigen Boxtrainer Dicky Eklund in „The Fighter“. Zu Unrecht wird Bale als profilloser Schönling bezeichnet, denn in all diesen Rollen übertritt er immer wieder körperliche und schauspielerische Grenzen; genau dann, wenn man denkt, man habe schon alles gesehen. Zu Recht hat er deshalb auch vor zwei Wochen den Oscar für die beste schauspielerische Leistung erhalten. Seine Darstellung des alternden, Crack-abhängigen Boxers, der nicht groß werden will, wirkt so mühelos und überzeugend echt, aber auch gleichzeitig so furchteinflößend, dass man Angst hat, Bale betreibe Method Acting.

„The Fighter“ erzählt zwar die „Rocky“-Geschichte vom Fall und Aufstieg des Boxstars Micky Ward (Mark Wahlberg), der versucht der Vororthölle, seiner bevormundenden Manager-Mutter Alice (Melissa Leo) und den sieben, dauerkeifenden White-Trash-Schwestern, zu entkommen. Letztendlich ist „The Fighter“ aber die Geschichte von Dicky, der seinen Bruder Micky in den Anfangsjahren seiner Karriere trainiert. Dicky war selbst mal ein gefeierter Boxer, verfällt nach seinem einzigen, großen Erfolg jedoch den Drogen. In dem Glauben, ein Fernsehteam verfilme seine Erfolgsstory, gewährt er den Journalisten Einblick in sein Leben, besonders dem als Crack-Süchtiger. Doch Dicky ist dermaßen dauerzugedröhnt, dass er, selbst auf mehrmalige Hinweise des Filmteams, nicht bemerkt, was das tatsächliche Thema des Films ist. Erst als „Crack in America“ im Fernsehen ausgestrahlt wird, hat Dicky seinen ersten luziden Moment seit Jahren und beginnt sein Leben neu zu ordnen.

„The Fighter“ dreht sich besonders im ersten Teil mehr um den körperlichen und geistigen Verfall von Dicky und dementsprechend füllt Bale mit seiner Präsenz die Leinwand. So ist der Werdegang von Micky, der im zweiten Teil stärker thematisiert wird, eher zweitrangig. Daran kann auch Mark Wahlberg nichts ändern, der zwar seit Jahren konstant gut spielt, aber seinem schauspielerischen Repertoire wenig hinzufügt. Der Gegenpol zu seinem etwas dümmlich-charmanten Micky bildet dessen Freundin Charlene, dargestellt von Amy Adams. Charlene ist gebildet, durchsetzungsfähig und hat eine große, eloquente Klappe. Der Film will es so, dass die beiden zusammenfinden; wie das Leben halt so spielt. Aber zwischen Adams und Wahlberg entwickelt sich leider keine richtige Chemie, zumal Adams immer ein bisschen besser spielt und in ihren paar Minuten Präsenzzeit mehr Ausstrahlung als Wahlberg im ganzen Film hat.
Warum gerade Melissa Leo als Mickys und Dickys Mutter Alice den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommen hat, erschließt sich zwar irgendwie so halb, aber eigentlich nicht ganz. Zwar changiert sie gekonnt zwischen verschiedenen Stufen der Hysterie, mehr holt sie aus der neunfachen Mutter, die den bösen Wolf fressen würde, bedrohte dieser ihre Schäfchen, aber auch nicht raus.

Was „The Fighter“ neben den schauspielerischen Leistungen aber auch sehenswert macht, ist David O. Russels (Regie) Spiel mit den Möglichkeiten der Darstellung. Mal wird das Geschehen aus der Perspektive einer subjektiven Fernsehkamera gezeigt, im nächsten Moment sieht man die Familie Dickys den Boxkampf im Fernsehen verfolgen, einen anderes Mal bildet die Kamera des Fernsehteams den Rahmen, durch den der Zuschauer die Ereignisse verfolgt, und in der nächsten Szene werden diese wieder aus Sicht einer auktorialen Kamera dargestellt. Dabei verliert sich Russel nicht in Spielereien mit der Perspektive, bei denen man schnell den Überblick verlieren könnte. Auch ist „The Fighter“ konstant in den dunkleren Tönen der Farbpalette gehalten, sodass die runtergekommene, bildungsferne White-Trash-Abgrund fast spürbar wird und eher Beklemmung als Erleichterung über das eigene, buntere Leben auslöst.

„The Fighter“ ist zwar ein bisschen vorhersehbar – was nicht zuletzt an der zugrundliegenden, wahren Geschichte liegt – aber, gerade was die Inszenierung und Schauspielleistung anbelangt, ziemlich großes Kino.

Jimmy Kimmel hat sie alle

Den amerikanischen Late-Nighter Jimmy Kimmel habe ich bisher größtenteil nicht wahrgenommen, weil ich zu sehr mit John Stewart beschäftigt war. Ein Fehler, wie sich gestern herausstellen sollte. Denn Kimmel scheint mit allen großen, amerikanischen Schauspielern/Musikern, die sich nicht allzu ernst nehmen, per Du zu sein, so dass seine Sketche regelmäßig vor Stars wimmeln.

Kimmel ist mir in Videoform das erste Mal 2009 begegnet, als seine damalige Freundin und Kollegin Sarah Silverman ihm einem bösen Streich in einer Show Jimmy Kimmel Live! spielte und in einem Video behauptete mit Matt Damon Sex zu haben. Das Ding hieß „I’m fucking Matt Damon“ und wurde zu einem ziemlichen Internethype. Kimmel schlug mit gleichen Waffen zurück, indem er sich Matt Damons Buddy Ben Affleck sprichwörtlich an die Brust nahm und in einem ähnlichen Video antwortete: „I’m fucking Ben Affleck„. Seitdem tragen Damon und Kimmel eine nicht ernstgemeinte Fehde aus, während er und Affleck eine Art Busenfreundschaft pflegen.

Mit dem Wissen darüber, machen nämlich auch die folgenden Videos gleich viel mehr Spaß. In dem ersten sitzen einige der schönsten Männer Hollywoods an einem Tisch (!) und stimmen darüber ab, wer in den „Handsome Men’s Club“ aufgenommen wird und Kimmel als Vorstand rauszuwerfen, weil er nicht handsome genug sei. Das ist an einige Stellen so herrlich sinnlos, dass man fast die Botschaft vergisst.

Auch in seiner Show vom 27. Februar ging es um Schönheitswahn, diesmal in Form eines Fitnessvideos, das wiederum einige der schönsten Frauen, „which fill the big screens and the skinny jeans“, versammelt. In sexuell suggestiven* Posen machen sich zum Beispiel Scarlett Johansson und Jessica Biel für Kimmel zum Affen, nur um in den „Hottie Body Hump Club“ aufgenommen zu werden. In sprachlicher Hochform und in einem stilechten 80er Fitness-Outfit kommentiert Kimmel die Übungen der Hollywood-Stars.

Wer bei diesen Videos keine Tränen lacht, der hat keinen Humor.

*Formulierung geklaut