Monat: Mai 2011

Noisy Summer

Oh Gott, was wird das für ein großes Konzertwochenende:

14.7.: J Mascis im Festsaal Kreuzberg.

15.7.: Vivian Girls im Levee (kann mich mal jemand aufklären, seit wann der Bang Bang Club nicht mehr exisitiert und warum man einen Club „Damm“ nennt?).

17.7.: Miles Benjamin Anthony Robinson im Comet Club.

18.7.: Morrissey in der Zitadelle Spandau (für straffe 52€. Den „last of the famous international playboys“ zu sehen, war auch schonmal günstiger. Und Morrissey ist ja in den letzten fünf Jahren nicht unbedingt berühmter geworden. Na mal schauen)

Als nächstes steht aber erstmal Tame Impala am 17.6. im Festsaal Kreuzberg an. Wenn da Yuck nicht als Vorband spielen, bin ich schwer enttäuscht, denn immerhin haben sie die australische Band auf ihren letzten Konzerten begleitet.

Paint it Black

Ich mag ja Menschen, die schöne Sätze schreiben, zum Beispiel solche wie diese:

DŸSE sind das Ergebnis einer gedanklichen Querfeldeinfahrt: da wo andere die asphaltierte Rap-, Indie-, Electro- oder Metal-Straße nehmen und immer schön auf die Geschwindigkeit achten, heizen Jari Rebelein und André Dietrich über Feld, Stock und Stein. Alles geht, nichts muss.

Bei Saviours hat die musikalische Sozialisation definitiv andere Spuren hinterlassen als bei der Vorband. Die Kalifornier nennen Heavy Metal-Legenden wie Motörhead, Scorpions, ZZ Top, Saxon, Judas Priest und Dio als Vorbilder. Dementsprechend reizüberfluten sie das Publikum nicht wie Ramming Speed, nach denen man sich fragt, welche Farbe das Auto eigentlich gerade hatte, von dem man überfahren wurde. Bei Saviours sieht man, dass die Karre schwarz ist, hört aus dem Inneren Rock and Roll-schwangeren Heavy Metal mit düsteren Riffs und weiß: die fahren nach ganz unten.

Über Musik schreiben ist ja wie zu Architektur tanzen nicht die einfachste, journalistische Kunst. Da müssen dann ein paar Vergleiche her, um das Hörerlebnis zusammenzufassen. Wenn mir dann beispielsweise Hardcore- und Metal-Musik anhand der Farben des Malkastens erklärt wird, dann muss ich die Musik deswegen nicht besser finden, aber ich beginne diesen Wust aus Geknüppel und undurchschaubaren Riffs ein bisschen besser zu verstehen, und erfreu mich gleichzeitg noch an schönem Schreibstil.

Also: wer entweder auf die Musik von Bands wie Saviours, Kvelertak, DŸSE oder Black Math Horseman steht, oder mal ordentliche Konzertkritiken und interessante Interviews lesen will, der sollte jetzt sofort den Blog von Karsten Ein Kasten Kohle lesen.

Miles Benjamin Anthony Robinson

Der Mann mit dem langen Namen macht auf seinem Album „Summer of Fear“ Musik, die ziemlich lang im Kopf bleibt, die traurig und melancholisch, fröhlich und euphorisch macht, die irgendwo zwischen Folk, Soul, Gospel und ganz tief im bewegten Herzen liegt.

Miles Benjamin Anthony Robinson ist am 17. Juli in Berlin zu Gast. Wer nicht hingeht, hat keine Seele, die erleichtert werden muss. Oder keinen Musikgeschmack.

Miles Benjamin Anthony Robinson – The Sound

Parallels: „Visionaries“ im Stream

Die zwei Kanadier Holly Dadson und Cam Findlay (ehemals Crystal Castles Tour-Drummer) machen als Parallels furchtbar guten 80er Elektro-Pop getragen von Dadsons klarer Stimme und Synthesizer-Wänden. Ihr Album „Visionaries“ fühlt sich beim Hören an, wie Dadson in „Ultralight“ singt: „Electric light are shining in me.“ Vielleicht aber auch eher wie ein imposant blitzlichternder Abendhimmel.

Die „Werbung“ von American Apparel

Ich frag mich, was sich die Mädchen denken, die für die amerikanische Hipster-Marke American Apparel Werbung machen „dürfen“. Womöglich sind sie irgendwann in ihrer Hype-dominierten Sozialisation dem Irrglauben zum Opfer gefallen, dass Klamotten von AA zu tragen ein Statussymbol darstellt. Ich habe keine Zweifel, dass das in vielen hippen Stadtvierteln verschiedener Großstädte so ist (Berlin Mitte konnte man vor drei Jahren ohne V-Ausschnitte und Lackleggings nicht mehr betreten), nur leider ist es traurig. Jedenfalls muss Werbung für AA zu machen, in manchen Kreisen dermaßen Ansehensfördernd sein, dass sich dafür auszuziehen das Mindeste ist.

Ich habe mich gefragt, für was das Mädchen in dieser Werbung eigentlich wirbt. Das Zaunangebot eines Baumarktes wäre nicht abwegig, oder vielleicht ein Blumengeschäft. American Apparel kündigte auf seiner Seite an: „Alyssa in lace“. Alyssa trägt auch tatsächlich Unterwäsche, jedoch ist davon nicht unbedingt viel zu sehen. Was zu sehen ist, ist ein nacktes Mädchen, dass sich in sexuell offensiven Posen auf einem Lattenzaun räkelt. Ich bin nicht prüde oder habe etwas gegen hübsche Frauen in Werbungen, nur hat diese Werbung rein gar nichts mit der Unterwäsche tun. Ich würde auch nichts sagen, würde sich softpornographische Werbung bei American Apparel nicht zum Standard entwickeln.

Bei American Apparel geht es nicht um den Verkauf von Klamotten, sondern den Verkauf von Mädchen. Für mich hat das nichts mit Kunst oder was auch immer dahinter steckt zu tun, besonders nicht, wenn man nicht mal die beworbene Ware sieht. Dass man beispielweise bei den durchsichtigen Klamotten alles sieht, ist mir schon klar und sicher auch nochmal ein anderes Thema bezüglich Fashionstatement, Unternehmensgeist und Kundschaft, aber warum muss man dann ein Mädchen mit gespreizten Beinen fotografieren? Das ist weit entfernt von seriös und nah dran an Pornografie. Auf die Mode achtet dabei doch keiner mehr.

 Warum genau ist das Mädchen nackt? 

Ich hab nichts gegen die Mode von American Apparel und selber auch ein paar Teile in meinem Schrank zu liegen, was nichts mit Dazugehörigkeit zu tun hat, sondern mit dem Eingeständnis, dass AA trotz allem auch schicke Sachen herstellt. Nur leider fördert der Verkauf und der Hype um die Marke anscheinend solche Werbung. Sicher, die Mädchen können machen, was sie wollen, es ist ihre Entscheidung, ob und für wen sie sich ausziehen. Problematisch finde ich allerdings das Bild, das vermittelt wird: die Frau als Sexobjekt, die aussieht, als würde sie Werbung für eine Pornomesse machen. Und die Bestätigung: Sex sells. Es ist traurig. Davon abgesehen hat AA als weltweit erfolgreiche Marke diese Werbung nicht nötig, weil sie eben nicht durch Sex erfolgreich geworden sind, sondern durch geschicktes Marketing und dem Setzen von Mode-Trends.

Und wer diese Werbung schön oder angemessen findet, der möge bitte in eine Helmut-Newton-Ausstellung gehen. Dort kann man ästhetische Bilder nackter Frauen sehen, die nichts mit Pornographie, Hypeförderung oder Absatzsteigerung zu tun haben.