Analog ist besser

Nicht immer. Bei Gesprächen schon. Denn: Ein Lächeln, eine zwinkerndes Auge, ein bestimmter Ton in der Stimme, eine hochgezogene Augenbraue, ein Axelzucken, die ganze Bandbreite an Mimik und Gestik eben, die man während Gesprächen anwendet, fällt bei digitaler Kommunikation komplett weg und führt oft, auch bei Menschen, die man gut kennt, zu Missverständnissen. Ironie beispielsweise versteht ja so schon jeder nur auf seine Weise. Und wenn man nicht hinter jeden Satz, der nur halbernst gemeint ist, ein zwinkerndes Smiley tut, dann sind Streits fast vorprogrammiert. Oder wie Max Scharnigg schreibt:

Bei diesen Dialogfetzen ist es extrem wichtig, nicht falsch verstanden zu werden, weil man sonst Gefahr läuft den Nachmittag im Auge eines Shitstorms zu verbringen […] Ganze Foren sind schon implodiert, weil ein Nebensatz nicht als Witz oder Unernst gekennzeichnet war und der betreffende User nach Diktat verreiste, während die Foristen sich über seinen Eintrag erst in Rage posteten und schließlich in Grabenkämpfen gegenseitig zerfleischten.

Und wer möchte schon eine Stunde lang in geschriebener Sprache erklären, wie es nun wirklich gemeint war, wenn man sich am Ende eh wieder anruft, um die Sachlage in zehn Minuten zu klären. Und am besten streitet es sich doch noch immer, wenn man sich die Meinung auch wirklich ins Gesicht schreien kann, dabei immer bockiger und unsachlicher werdend, nur um sich am Ende wieder in den Armen zu liegen. Fühlt sich auch besser an, als den harten Laptop zu umarmen.

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