Albumrezension: Cat Power – Sun

Verdientermaßen ist das neue Album von Cat Power „Album der Woche“ bei detektor.fm geworden. Meine Rezension erschein zuerst bei detektor.fm.


Wenn man an Cat Power denkt, kann man schon mal schlagartig in eine melancholisch-depressive Stimmung verfallen. Sängerin Chan Marshall ist für ihre auf Gitarre und Stimme reduzierten Lieder bekannt. Sie singt über die eigene Unzulänglichkeit, ausschweifenden Alkoholkonsum und sogar Mordgedankent. Cat Power war noch nie ein Kind von Fröhlichkeit – da verwundert es auf den ersten Blick, dass sie ihr neues, neuntes Album Sun nennt, ein Album, das während und nach einer schmerzhaften Trennung entstand.

Der Albumtitel ist aber nicht ironisch gemeint, sondern drückt einen positiven Blick in die Zukunft aus. Wo Cat Power früher lebensmüde ins Mikrofon hauchte, singt sie nun mit kraftvoller Stimme und voller Optimismus. In Ruinbeispielsweise prangert sie diejenigen Menschen an, die sich immer nur beschweren. In Human Being pocht sie auf ihr Recht, so zu leben, wie sie es möchte und nicht, wie es andere von ihr erwarten.

Man kann Sun als Befreiungsschlag sehen – als persönlichen wie musikalischen. Cat Power hat nicht nur alle Instrumente zu ihren Liedern selber eingespielt, sie hat Sun auch im Alleingang in ihrem Studio in Miami aufgenommen und produziert. Nur das Mastering hat der Franzose Phillipe Zdar übernommen, der schon mit Phoenix und Cut Copy zusammengearbeitet hat. Dass ein Elektro-Produzent den letzten Schliff an Sun vorgenommen hat, scheint nur konsequent. Nach den typisch reduzierten Cat-Power-Songs sucht man auf Sun vergebens. Marshall spielt auf nahezu allen Liedern mit elektronischen Elementen. Sie nutzt Synthesizer, Loops, Samples und scheut auch nicht vor dem Gebrauch von Auto-Tune zurück.

Dennoch ist Sun kein reines Elektro-Album geworden. Auf Ruin beispielweise dominiert ein fröhlicher Piano-Melodie, der als Loop die gesamte Länge des Liedes einnimmt. Silent Machine ist mit seinem schweren Blues überraschend dreckig und auf Peace and Love zitiert Cat Power nicht nur die Jazz-Musikerin Nina Simone, sondern zollt mit diversen Loops und Sprechgesang auch Jay-Z Tribut.

Der Höhepunkt des Albums ist Nothing But Time, ein Song, den Marshall für ihre Stieftochter geschrieben hat. In dem Elf-Minuten-Opus singt sie mit Unterstützung von Iggy Pop zu mäandernden Synthesizern über Idealismus, Selbstverwirklichung und Treue. Chan Marshall bezeichnet Sun selbst als Wiedergeburt. Cat Power klingt nicht mehr wie die Inkarnation eines gebrochenen Herzens, sondern wie jemand, der mit sich im Reinen ist.

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