Alles, was ihr über Drogen wissen müsst, findet ihr im psychedelischen Buchladen „Kali“

Als Kind habe ich unendlich gern Disneys „Alice im Wunderland“ gesehen. Bunt und schön und verspielt war er, genau das Richtige für meine kleinen Kinderaugen. Dass die Blumen überlebensgroß waren und sprechen konnten und eine Katze nur aus einem Grinsen bestand, störte mich nicht weiter. Dass die Königin ständig Menschen enthaupten wollte, war vielleicht ein bisschen gruselig. Aber Disney hatte mir ja mit den Verfilmungen der alten Grimm-Klassiker gelehrt, dass auch die noch so grausamste Geschichte ein Sehvergnügen ist, wenn sie nur bunt und gut gelaunt genug erzählt wird.

Dass „Alice im Wunderland“ freilich auch eine Geschichte über Drogenkonsum ist, begriff ich erst später. Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob und welche Substanzen der Alice-Autor Lewis Carroll zu sich nahm – beim Lesen des Buches wird man aber nicht ganz leugnen können, dass da zumindest irgendwas im Spiel war.

Genau deshalb findet ihr auch dieses und viele andere Bücher im psychedelischen Buchladen Kali, der im Februar 2018 in Friedrichshain eröffnet hat. In ihrem selbst gestalteten, bunten Wunderland verkaufen Norman und Vanessa Bücher über alles, was das Bewusstsein erweitert. Da findet sich die „Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“ (das Standard-Werk, wie mir Vanessa freudig verrät) neben einem Buch über die Wirkung von Nachtschattengewächse, Bücher des 60er Jahre LSD-Gurus Timothy Leary neben Romanen wie „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, und eine Abhandlung über psychedelische Handlungselemente in Grimmschen Märchen neben einem Buch über Drogen im dritten Reich, das den süffisanten Namen „Nazis on Speed“ trägt.

Vanessa und Norman wollen mit ihrem Buchladen einen Raum für die offene Kommunikation über psychoaktive Substanzen jeglicher Art schaffen. Ihnen geht es nicht um die Ermutigung zur Einnahme von Drogen, sondern um die Diskussion über die Wirkung von und (Selbst-)Heilung durch Drogen. „Es ist ja erwiesen, dass Menschen seit jeher mit verschiedensten Stoffen experimentieren, aber trotzdem können wir nicht offen darüber sprechen“, sagt Norman. Für ihn ist es unverständlich, dass Alkohol (immerhin auch eine Droge) gesellschaftlich akzeptiert wird, aber beispielsweise der Konsum von Marihuana noch immer stigmatisiert ist.

Wer glaubt, hier Drogen kaufen zu können, der liegt aber falsch. „Es kommen viele Leute hierher, weil sie denken, dass wir ihnen was verkaufen können“, sagt Norman. Das Einzige, was ihr im Kali neben Büchern (und vielleicht dem einen oder anderen Ratschlag zur Suche von Pilzen im Berliner Umland) bekommt, ist aber Tee. Die beiden legen großen Wert auf die Auswahl ihrer Tees, die sie aus China importieren. „Wir verstehen uns auch als Teestube, in die man sich setzen und Bücher lesen kann“, sagt Vanessa.

Zusätzlich finden hier wöchentlich verschiedene Lesungen, offene Workshops und Talks statt, in denen sich Interessierte austauschen und von ihren eigenen Erlebnissen berichten können. Wer wissen will, wie man einen schlechten Schamanen ausfindig macht, wie man seine eigene Religion gründet oder was der „Tim and Rosemary Leary Resurrection Evening“ bereit hält, der sollte einen Blick auf die Website werfen, wo die Events regelmäßig geupdatet werden.

erschienen auf mitvergnuegen.com

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