Vegane Aufschnitte, Beißer & Bratlinge – Die Vetzgerei im Prenzlauer Berg

Veganer und Vegetarier können ein Lied davon singen: die langwierige Suche nach der perfekten veganen „Wurst“, die sich ähnlich kulinarisch leidvoll gestaltet, wie das wochenlange Durchtesten jeder erdenklichen Joghurtalternative. Die Suche hat aber endlich ein Ende! Nach Der Vegetarische Metzger in Kreuzberg und L’Herbivore in Friedrichshain hat nun auch im Prenzlauer Berg eine komplett vegane Metzgerei eröffnet. Vetzgerei heißt der Laden von Sarah und Peter Pollinger, der im Dezember 2017 eröffnet hat.

In der elegant eingerichteten Vetzgerei findet ihr allerlei vegane Wurst- und Fleischalternativen, vor allem auf Seitan- und Haferflockenbasis: grobe und feine Aufschnitte wie Apfel-Mandel oder Ingwer-Orange, Aufstriche wie Paprika-Hummus und Zwiebel, Beißer in Geschmacksrichtungen wie Pflaume oder Walnuss, Bratlinge sowie vegane Wurst-, Fleisch- und Kartoffelsalate. Ganz neu im Angebot sind Serviettenknödel. Und auch mit vegan gefüllten Maultaschen kann die Vetzgerei hin und wieder aufwarten. Alle Produkte stellt das Team selbst aus Bio-Produkten her und wo es geht, unterstützen sie kleine Betriebe aus der Region. Ein Blick auf die Speisekarte zeigt auch, dass für die Produkte so wenig Zutaten wie möglich verwendet werden, was eine angenehme Abwechslung zu so manchen vegetarischen und veganen Produkten im Bio- oder veganen Supermarkt ist.

Sarah möchte die Vetzgerei als Metzgerei verstanden wissen, auch wenn viele traditionelle Fleischer dagegen protestieren – vor allem auch auf der Facebook-Seite der Vetzgerei selbst. „Wir produzieren handwerklich wie ein normaler Fleischer. Wir nutzen die gleichen Geräte, wir kuttern und füllen die Beißer in Därme ab.“ Sie ist sich aber der Diskussion um die „richtige“ Benennung der Produkte bewusst. Deshalb heißen die Beißer in der Vetzgerei beispielsweise nicht Würste. Nichtsdestotrotz ist es so, dass die Käufer wissen wollen, mit welchem Produkt sie es zu tun haben, da kommt man um einen Vergleich zu den tierischen Pendant nicht herum. Aber es hat auch Vorteile: „Weil die Leute vieles noch nicht kennen, setzen sie sich eher damit aus einander – im Gegensatz zur normalen Fleischerei.“, sagt Sarah.

Während ich mich zum Mittag an Serviettenknödeln, einem Blumenkohl-Grieß-Bratling und einem Erbsen-Pilz-Beißer inklusive Kartoffelsalat gütlich tue, überhöre ich die eine oder anderen Konversation vor der Vitrine, die sich um Inhaltsstoffe oder die Beschaffenheit des Darms dreht. „Bei den Därmen experimentieren wir gerade noch“, sagt mir Sarah. Sie würden gern mit einer veganen oder sogar essbaren Alternative arbeiten, aber bisher hat sich für die Beißer nur Plastik und für die Aufschnitte Zellulose bewährt.

Was natürlich nicht heißt, dass die Vetzgerei nicht auch beim Thema Nachhaltigkeit mitmischt. „Wir sind nicht bei 0%, aber wir schmeißen sehr wenig weg“, meint Sarah. Die Vetzgerei ist Mitglied bei den Start-ups Foodsharing und Too Good To Go, wo man als Nutzer übrig gebliebene Lebensmittel für einen Bruchteil des Preises kaufen kann. „Wir wären auch gern bei der Berliner Tafel und Sir Plus dabei“, sagt Sarah, aber die Lebensmittel, die dort ankommen, müssen ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Deshalb müssen die Vetzgerei-Kunden auch manchmal ohne frische „Vurst“ und Aufstriche nach Hause gehen, weil Sarah und ihr Team derzeit noch mit der Menge experimentieren, die sich natürlich an der Zahl der Kunden orientiert.

Wie es aussieht, scheint die Vetzgerei aber immer mehr im Kiez anzukommen. Dazu trägt auch bei, dass Kunden im Laden auch Produkte von befreundeten veganen Herstellern kaufen können. Außerdem möchte Sarah gern regelmäßig Dinnerabende veranstalten, die an das Thema vegane Fleischalternativen heranführen. Der nächste findet am 14. April 2018 statt, für das 4-Gänge-Menü könnt ihr euch auf der Homepage anmelden. Schnell sein lohnt sich, denn die Plätze sind gerade mal auf acht begrenzt.

erschienen auf mitvergnuegen.com

Advertisements