Wer macht eigentlich die Mieten kaputt? Die Anderen oder doch wir selbst?

Erst letzte Woche haben wir unter dem Titel „Das Wohnen in Berlin wird immer unbezahlbarer“ über eine Studie berichtet, die zeigt, dass in Berlin die Wohnungspreise weltweit am stärksten gestiegen sind – und zwar sage und schreibe um 20 Prozent von 2016 zu 2017. Die Studie macht das starke Bevölkerungswachstum, die stabile Wirtschaftslage, die niedrigen Arbeitslosenzahlen und das Interesse ausländischer Käufer für den Preisanstieg verantwortlich, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Menschen und Unternehmen aus aller Welt strömen nach Berlin, weil die Mieten hier „noch so schön günstig“ sind im Vergleich zu anderen Ländern. Berliner dagegen und solche, die hier wohnen und arbeiten wollen, haben es immer schwerer, eine für sie bezahlbare Wohnung in der Innenstadt zu finden – und Alteingesessene werden aufgrund steigender Mieten verdrängt.

Gern zeigen wir mit dem Finger auf andere, wenn es darum geht, wer die Mieten in Berlin kaputt macht. Der Senat, der nicht genügend bezahlbaren Wohnraum schafft. Große Unternehmen wie Google oder Zalando, die es sich mit Firmenzentralen in guten Lagen gemütlich machen. Ausländische Investoren, die sich bei den Mietpreisen nicht am Durchschnittsverdienst des gemeinen Berliners orientieren. Ausländische Käufer, die Eigentumswohnungen für eine Übernachtung im Jahr kaufen. Was wir dabei aber gern vergessen: Es gibt auch Berliner, die ihre Stadt kaputt machen.

 Gern zeigen wir mit dem Finger auf andere, wenn es darum geht, wer die Mieten in Berlin kaputt macht.

Ein Beispiel: Wir von Mit Vergnügen suchen gerade ein neues Büro. Eigentlich sind die Mietpreise für Gewerbeflächen gar nicht so schlimm, wie wir anfänglich gedacht haben. Wir haben zwei passende Büroflächen zwischen 11 und 17 Euro pro Quadratmeter gefunden. Neuerdings scheint es aber unter auszugswilligen Kreativagenturen Mode zu sein, astronomische Abschlagszahlungen im fünfstelligen Bereich für ein paar Kissen und Kabel zu verlangen. Abschlagszahlungen an sich sind natürlich nichts Neues, in dieser Höhe aber schlichtweg frech. Vor allem machen sie es für organisch wachsende Unternehmen, die nicht von millionschweren Investoren „unterstützt“ werden, unmöglich, passablen Büroraum zu finden.

Ein anderes Beispiel: Eine Bekannte von mir hat eine Wohnung in Friedrichshain, die nicht sehr teuer ist. Weil sie sich aber etwas „dazu verdienen“ möchte, zieht sie regelmäßig für mehrere Tage zu einer Freundin und vermietet ihre Wohnung für ein Vielfaches des Preises bei Airbnb. Mit „Home Sharing“ während eines Urlaubs, das eigentliche Konzept von Airbnb, hat das nicht mehr viel zu tun. Davon abgesehen, dass man seine Wohnung ab dem 1. Mai 2018 nicht mehr ohne Genehmigung des Bezirksamtes weitervermieten darf.

Auch bei WG gesucht werden regelmäßig WG-Zimmer angeboten, bei denen man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln kann ob der Dreistigkeit, mit denen die Menschen die Mieten in die Höhe treiben, weil sie wissen, dass es immer wieder Menschen gibt, die ohne mit der Wimper zu zucken, 600 Euro für 10 Quadratmeter zahlen können. Oft kann man natürlich nicht sagen, ob es dabei ums dazu verdienen oder um tatsächliche wirtschaftliche Not geht. Nicht selten müssen vor allem Studenten die Wucherpreise ihrer Wohnung irgendwie wieder reinbekommen und das geht nicht anders, als die Preise weiterzureichen. Aber wenn man eine ungefähre Vorstellung vom Berliner Wohnungsmarkt hat, dann weiß man, dass 600 Euro für ein kleines WG-Zimmer zumindest bisher noch überzogen sind.

 Klar, hätte jeder von uns gern ein bisschen mehr Taschengeld. Aber sollten wir uns das auf Kosten derer verdienen, die auch noch in ein paar Jahren in Berlin leben wollen?

Wer sich das nächste Mal darüber beschwert, dass er keine Wohnung in Berlin findet, sollte sich zunächst mal an die eigene Nase fassen und sein eigenes Verhalten untersuchen. Klar, hätte jeder von uns gern ein bisschen mehr Taschengeld. Aber sollten wir uns das auf Kosten derer verdienen, die auch noch in ein paar Jahren in Berlin leben wollen? Es scheint, als wollten manche ihre Misere bei der vorherigen Wohnungssuche an die Nachmieter weiterreichen, aber sollten wir nicht alle an einem Strang ziehen, um Berlin auch weiterhin bewohnbar zu machen?

erschienen auf mitvergnuegen.com

Advertisements