Nachdenkliche Sprüche mit Bildern – Warum darf man eigentlich nicht mehr narzisstisch sein?

Die griechische Mythologie hält viele schöne Sagen bereit, aus denen wir heute noch begrifflich schöpfen. Wie zum Beispiel die von Narziss, dem wunderschönen Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Leiriope, der sich unsterblich in sein eigenes Spiegelbild verliebte und bis an sein Lebensende schmachtend über einem See verbrachte, bis er, hypnotisiert von seinem Antlitz, ins Wasser fiel. Der Begriff Narzissmus bezeichnet deshalb die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen.

Heutzutage hängen die Menschen schmachtend über ihrem eigenen Instagram-Profil, posten Fotos von sich selbst und warten darauf, von anderen bewundert zu werden. Viele machen Instagram deshalb für den Untergang der Menschheit verantwortlich, vor allem weil Narzissmus in seiner stark ausgeprägten Form auch bedeutet, dass man anderen Menschen zu wenig Beachtung schenkt. Aber ich meine, dass Instagram nur den schon seit Narziss anhaltenden Trend der Selbstverliebtheit abbildet und höchstens etwas verstärkt. Menschen waren schon immer Narzissten.

Im Gegensatz zu den Feinden der neuen Medien finde ich das aber gar nicht schlimm, zumindest nicht die abgeschwächte Version. Ist es nicht erstrebenswert, sich selbst schön zu finden, anstatt ständig in Selbstzweifel zu verfallen ob der vorherrschenden Schönheitstrends? Was mich vielmehr verwirrt, ist der anhaltende Trend, den eigenen Narzissmus mit tiefgründigen Poesiealbum-Gedanken zu überspielen, für die wir uns früher geschämt haben. Anstatt zu sagen: „Ich liebe mich und deswegen poste ich jeden Tag Fotos von mir selbst“, versehen Instagram-Sternchen ihre Fotos gern mit „tiefgründigen“ Gedanken, die keinen Zusammenhang mit dem eigentlichen Bild haben, wie:

Zu meinem Titelbild fällt mir auch ein toller Spruch ein: „Das Leben ist wie ein Garten: Er blüht nur so lange, wie man ihn wässert.“ Aber seien wir doch mal ehrlich: Wir posten auf Instagram doch nur Bilder von uns, weil sie so schön sind, weil wir Bestätigung und Aufmerksamkeit in Form von Likes und Kommentaren bekommen, die unserem Selbstbild noch mehr schmeicheln. Das ist okay, jeder weiß das, so funktioniert das ganze Konstrukt und jeder von uns befeuert es, in dem wir uns gegenseitig folgen.

Warum müssen wir uns dann immer so super philosophisch geben, wo kaum ein zweiter Gedanke an das Ergründen der Welt und der eigenen Lebensrealität verschwendet wird. Man wirkt nicht intellektueller, wenn man zwar hübsche, aber augenscheinlich belanglose Fotos mit nachdenklichen Sprüchen betitelt. Es wirkt im Gegenteil einfach nur albern.

Ich möchte deshalb eine Lanze für den Narzissmus brechen: Liebt euch und euer Spiegelbild und schreit es laut raus. Versteckt euch nicht hinter Poesiealbumphilosophie, die jeder Deutsch-Abiturient besser kann.

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